Klaus Hoffmann

Klaus Hoffmann

„Ich pflege meine Musik wie einen alten Bentley.“

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Zur Person

Berlin, 16.03.2016. Die erste warme Mittagssonne des Jahres verwandelt die Hauptstadt in eine südliche Metropole. Sein Geburtsort ist Klaus Hoffmann immer Inspirationsquelle gewesen, Heimat und Hassobjekt zugleich. Die Adresse – berlinerischer geht’s nicht – der Kurfürstendamm. Bei der Begrüßung gibt sich der Sänger und Schauspieler wie ein alter Freund. Wie so oft lebt Klaus Hoffmann gerade zweigleisig zwischen seinen Konzertterminen und der Arbeit am neuen Album im Studio. Dennoch strahlt er eine Ruhe aus, als habe er für das Gespräch alle Zeit der Welt.

Klaus Hoffmann, 2016 gibt es einiges zu feiern: Ihren 65. Geburtstag am 26. März, das 40-jährige Bühnenjubiläum und Ihren schauspielerischen Durchbruch vor ebenfalls genau 40 Jahren durch die Rolle in „Die neuen Leiden des jungen W.“. Was macht das Altern mit Ihnen?

Ich kriege das erst jetzt langsam mit. Es braucht Zeit, sich selbst zu verstehen. Gern zitiere ich dazu einen anderen, dann habe ich es leichter. Jacques Brel hat gesagt: „Sterben ist gar kein Problem, aber Altern ist furchtbar!“ (lächelt) Okay, jetzt trenne ich mich mal von dem Vorbildgerede … ich habe da schließlich einen hilfreichen Satz. Er lautet: Hätte ich nicht so viele Vorbilder gehabt, wäre ich schneller zu mir selbst gekommen. Ich habe das Altern noch nicht wirklich bemerkt, weil ich ein Kindskopf geblieben bin. Deswegen brauche ich nicht als Greis irgendwann damit anzufangen, Skateboard zu fahren, um mir zu beweisen, im Herzen jung geblieben zu sein. Viele meiner Freunde sind in den vergangenen Jahren gestorben. Meine größte Wunde aber rührt daher, dass mein Vater so frühzeitig ging. Dieser Verlust hat mein Leben geprägt. Die elementare Erkenntnis, dass wir einander verabschieden, dass wir nur zeitweise da sind.

Das Begreifen der eigenen Endlichkeit?

Wir verabschieden uns doch jeden Tag! Ein Spruch von Samuel Beckett, meinem Lieblingsschriftsteller, lautet: „Wir gebären rittlings über dem Grabe.“ Damit meint er, die Spirale geht weiter. Ich bin mir da allerdings nicht so sicher. Über Jahre hinweg hatte ich meine Zen-Phase, weil ich dachte, die buddhistische Art zu leben und zu denken mache freier, denn als Protestant unterwegs zu sein. Zen-Buddhisten waren für mich wichtig, weil sie darüber reden können, wo die Endlichkeit beginnt. Wir Sterblichen sind sterblich.

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