Ken Follett

Ken Follett

„Es gibt in mir keinen Funken Gottesglauben.“

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  • Olivier Favre
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Zur Person

31. August 2017, Edinburgh. Am Vortag besuchte Ken Follett den Loch Leven, etwas nördlich von der schottischen Hauptstadt. Auf einer Insel auf diesem See wurde vor gut 450 Jahren Maria Stuart gefangen gehalten, Follett beschreibt ihre Flucht in seinem neuen Roman „Das Fundament der Ewigkeit“. Zurück in Edinburgh erzählt der Autor von Millionenbestsellern in einer Suite des majestätischen Balmoral-Hotels, warum solche Trips zu historischen Originalschauplätzen für ihn wichtig sind. Follett spricht präzise, sein Englisch ist elegant, der Anzug sitzt perfekt. Vor ihm auf dem Tisch liegt sein neuer, dicker Wälzer – ein weiterer Roman aus der Kingsbridge-Reihe, der seinen Ruf als Bestseller-Autor untermauern wird.

Mr. Follett, Sie sind in einer eigenartigen protestantischen Sekte aufgewachsen, der Brüderbewegung. Was war das für eine Gruppe?

In Großbritannien nennt man diese Leute Plymouth Brethren: Plymouth Brüder. Im Grunde ist das eine strenge, evangelikale Religionsgemeinschaft, die sich von der anglikanischen Kirche abspaltete. Es gilt das Prinzip, nach dem die Bibel die größte Autorität besitzt. Nichts und niemand steht über der Heiligen Schrift. Diese strikte Auslegung der Bibel hat große Auswirkungen auf das alltägliche Leben innerhalb dieser Gemeinschaft.

Welche empfanden Sie damals als besonders gravierend?

Die Bibel steckt voller Verbote, und weil meine Eltern diese Schrift furchtbar ernst genommen haben, war meine Kindheit von sehr vielen Regeln bestimmt. Zum Beispiel durfte ich mir keine Filme anschauen. Alle anderen Jungs haben das gemacht, es gab damals ein Kino in Cardiff, nur ein paar Straßenzüge von unserem Haus entfernt. Dort liefen die Filme für Kinder, „Lassie“ oder Cowboyfilme. Alle waren dort – ich durfte nicht. Es gab bei uns Zuhause auch kein Radio, natürlich kein Fernsehen. Alle weltlichen Vergnügen wurden verbannt – selbst das Wort „Vergnügen“ war verboten, es durfte einfach keine Rolle spielen. Stattdessen besuchten wir am Wochenende diverse Gottesdienste.

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