Kaya Yanar

Kaya Yanar

„Wer lacht, radikalisiert sich nicht.“

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  • Max Slobodda
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Zur Person

09. November 2019, Castrop-Rauxel. Im Backstage-Raum der Europahalle wartet ein hungriger Künstler. Kaya Yanar ist Veganer. Wenn er allerdings seit sechs Stunden nichts gegessen hat, dann ist er auch mal Vegetarier. Als sein Tourbegleiter ihm erzählt, dass es in Castrop-Rauxel nichts gibt, „auch nichts in dieser Richtung“, scherzt Yanar sogar kurz, für einen Abend Karnivore zu werden. Doch dann meldet sich das Gewissen, er wartet lieber eine weitere Stunde, bis er von einem Inder aus dem nahen Dortmund Pakora, Naan und Linsen geliefert bekommt. Liegt es am Hunger, dass er im Gespräch mit seiner Branche und der Debattenkultur in Deutschland so hart ins Gericht geht? Yanar erzählt mit Selbstironie von seinem harten Werdegang und dem Abend, an dem eine Horde Skinheads im Publikum saß.

Herr Yanar, Ihre alten Sketche aus „Was guckst du?!“ erfreuen sich auf YouTube weiterhin großer Beliebtheit. Welche Bedeutung hat diese Sendung für Sie heute?

Das war der Höhepunkt meiner Karriere. Diese Sendung war meine wichtigste Botschaft an die Welt: Jeder wird aufs Korn genommen, kein Klischee wird ausgelassen. Heute lässt das kein Sender mehr zu.

Woran liegt das?

Gegenfrage: Brauchen wir nicht gerade in diesen Zeiten, in denen gegen Flüchtlinge gehetzt wird und ein Teil der Gesellschaft immer weiter nach rechts driftet, eine solche Sendung, die in alle Richtungen austeilt? Migranten und Flüchtlinge könnten über sich selbst lachen, um die Hetze ad absurdum zu führen und den Raum für rechte Gesinnungen einzuengen. Eine Sendung wie „Was guckst du?!” würde auch heute noch eine gesellschaftspolitische Wirkung entfalten, die in der Lage wäre, das strikte Lagerdenken aufzulösen. Wobei, im Fernsehen aufzutreten, ist längst nicht mehr so erstrebenswert.

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