Katty Salié

Katty Salié

„Literatur ist so schön Geschmackssache.“

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Zur Person

07. September 2017, Köln. Am Rande des Stadtgartens steht die minibib, ein grüner, lichtdurchfluteter Holzkubus, gefüllt mit Büchern zur unbürokratischen, kostenlosen Ausleihe für alle. Immer wieder kommen Menschen herein, um dem Bibliothekar ihre ausgelesenen Bücher zurückzugeben. Katty Salié hat das Bücherbüdchen des Fördervereins Stadtbibliothek Köln e.V. selbst für das Gespräch vorgeschlagen: Sie ist zwar kein Stammgast, aber hier wird das Lesen auf breiter Ebene gefördert – ein Anliegen, das die Fernsehmoderatorin und Botschafterin der Stiftung Lesen leidenschaftlich teilt. Im Interview berichtet die „Literaturtante“ der Kultursendung aspekte von ihrem ungewöhnlichen Werdegang – vom Arbeiterkind zur Berufsleserin.

Frau Salié, in den USA war gestern der „Read a Book Day“. Brauchen wir so etwas in Deutschland auch?

Diese Tage, die irgendein Label haben, werden in Deutschland nach meinem Eindruck nicht wirklich wahrgenommen. Selbst wenn wir so einen Tag hätten, ahne ich, dass die Leute dadurch nicht unbedingt genau an diesem Tag registrieren, dass sie wieder mal ein Buch lesen müssten. Insofern glaube ich nicht, dass wir so einen von oben verordneten Tag brauchen. Schön finde ich dagegen den bundesweiten Vorlesetag der Stiftung Lesen, wo Leute aufgerufen werden, zum Vorlesen in die Kindergärten zu gehen. Natürlich nehmen nicht nur Prominente teil, sondern auch genügend ehrenamtliche Vorleser, zum Beispiel Mütter und Senioren, im besten Fall auch Väter - denn Männer lesen seltener vor als Frauen. So einen Tag auszurufen, finde ich klasse. Gerade für Kinder ist Lesen unglaublich wichtig.

Sie sind Botschafterin der Stiftung Lesen. Wie kamen Sie zu diesem Engagement?

Ich habe vor längerer Zeit eine Veranstaltung der Stiftung Lesen mit vielen Kindern moderiert, was mir riesigen Spaß gemacht hat. Bei dieser Gelegenheit bin ich damit konfrontiert worden, dass sehr wenige Eltern ihren Kindern vorlesen. Das hat mich an meine eigene Kindheit erinnert. Mir wurde bewusst, wie viel Gutes so eine Stiftung tut, indem sie dieses Thema breiter streut, und wie viel Nachholbedarf dort noch besteht. Deshalb engagiere ich mich bei der Stiftung Lesen: Ich will, dass Kinder lesen. Es macht mich glücklich, jeden Abend mit meiner achtjährigen Tochter lesen zu können. Sich mit seinem Kind über die Geschichten auszutauschen, zu erfahren, wie das Kind die jeweiligen Figuren sieht, das ist extrem spannend. Ich fände es schrecklich, Kindern diese Welt vorzuenthalten.

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