Judith Holofernes

Judith Holofernes

„Meine Lieder waren viel schlauer als ich.“

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  • Marco Sensche
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Zur Person

Judith Holofernes (geboren am 12. November 1976 in Berlin) suchte sich ihren Künstler- Nachnamen nach dem Feldherrn Holofernes aus Assyrien aus, von dem im Alten Testament erzählt wird, er werde von der gottesfürchtigen Witwe Judit enthauptet. Nach ihrer Kindheit mit Kinderladen-Erziehung in Berlin-Kreuzberg zog Judith Holofernes mit ihrer Mutter, die in einer lesbischen Beziehung lebte, nach Freiburg, wo ihr die Spießigkeit gegen den Strich ging. Nach dem Abi ging sie zurück nach Berlin und gründete dort 2000 die Band Wir Sind Helden. Sie und Schlagzeuger Pola Roy heirateten 2006, das Paar hat zwei Kinder. Die Band pausiert seit 2012, hat sich im Grunde aufgelöst. Judith Holofernes begann eine Solokarriere, die sie Ende der 2010er-Jahre abbrechen musste, weil sie wegen einer neurologischen Stimmstörung nicht mehr auf der Bühne singen kann. Mit 46 Jahren erhielt sie die Diagnose ADHS.

11. März 2026, Köln. Diese Arbeit hat sich Judith Holofernes selbst eingebrockt: Für ihr neues Buch »Hummelhirn« hat sie mit Dutzenden Menschen gesprochen, die in ihrer Kindheit und Jugend eine große Rolle gespielt haben, darunter Mitschüler und Freunde ihrer Eltern. Zum Dank erhalten all diese Leute ein Buch. Signiert natürlich. Die ehemalige Sängerin von Wir Sind Helden unterschreibt im Akkord, ist dann bereit für das Gespräch. Und das führt tief hinein in ihr Leben. Es geht um die positiven Folgen ihrer ADHSDiagnose, die sehr spezielle Funktionsweise ihres Gehirns und die Frage, warum sie ihre früheren Lieder für sehr viel schlauer hält als sich selbst.

Judith Holofernes, die Sprache Ihres neuen Buches „Hummelhirn“ ist sehr eigenwillig.

Ah ja?

Sehr sprunghaft. Unberechenbar. Oder auch: hummelig.

Das freut mich, war aber durchaus auch Thema im Lektorat. Ich habe explizit gesagt, dass in der Form der Inhalt des Buches mitschwingen muss. Eine gewisse Sprunghaftigkeit der Sprache gehört dazu. Ohne dass es die Leser überfordert. Ich habe mir gesagt, jetzt hast du dich jahrelang maskiert, um nicht als anstrengend zu gelten – und weil das Buch eben eine Demaskierung ist, darf sich das in seiner Sprache auch widerspiegeln. Ich habe mir also erlaubt, so zu schreiben, wie mein Gehirn sich bewegt.

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