Jonathan Franzen

Jonathan Franzen

„Man muss als Autor auch mal die Hosen runterlassen.“

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  • Pascal Perich
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Zur Person

13.11.2007, Köln. Jonathan Franzen – ganz New Yorker Intellektueller mit Lehrersakko und abgewetzter Aktentasche – wartet in der Hotellobby und lädt auf sein Zimmer ein. Er spricht langsam, sorgfältig, fast druckreif. Neben ihm stehen schlammverkrustete Wanderschuhe, die von seiner Suche nach seltenen Vogelexemplaren zeugen.

Mr. Franzen, haben Sie heute schon Vögel beobachtet?

Jonathan Franzen: Ich habe drei Krähen dabei zugesehen, wie sie hier auf dem Hoteldach über ein Stück Pizza verhandelten. Sie machten den Eindruck, als ob sie vorhätten, das Stück in zwei gleiche Teile zu teilen, damit die zwei Stärkeren etwas davon haben, während der dritte Vogel einfach ignoriert wurde. Und gleichzeitig warfen sie alle nervöse Blicke über ihre Schultern, ob sie diesen Schatz womöglich noch mit anderen Genossen teilen müssen, die zufällig vorbei fliegen. Wenn man als Vogel über einen interessanten Gegenstand verfügt, muss man in ständiger Sorge leben, dass jemand vorbeikommt, der stärker ist und einem die Besonderheit unter dem Schnabel wegreißt.

Ganz so wie bei uns Menschen, oder?

Ja, zweifellos. Wohl auch deshalb kann ich nie damit aufhören, über Menschen nachzudenken, während ich Vögel beobachte. (lächelt) Davon einmal abgesehen ist mir die Faszination der Vogelbeobachtung eher rätselhaft.

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