John Irving

John Irving

„Das Leben ist schlampig und ein einziges Durcheinander.“

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25.05.2016, Hamburg. Vor fast genau einem Jahrzehnt trafen wir John Irving zum ersten GALORE-Gespräch. Damals äußerte er den Satz, der fortan Leitmotiv für dieses Magazin wurde: „Ein gutes Gespräch kennt seinen Weg.“ Derart gerüstet, begegnen wir dem Autor in einem Hamburger Luxushotel erneut, wissend, dass ein klassisches Interview mit ihm kaum möglich ist. Erneut entsteht ein angeregter Gedankenaustausch, der die Gesprächspartner in die unterschiedlichen Richtungen treibt. Darunter: Zorn und Güte von Religion und Atheismus, die Existenz von Geistern, Helden mit Schneid und Antihelden im Selbstmitleid, Donald Trump und William Shakespeare, dumme Medien und kluge Müllkippenkinder – sowie ein flammendes Plädoyer für mehr Geschichtsbewusstsein.

Herr Irving, Ihr neuer Roman „Straße der Wunder“ beinhaltet viele Details, die im Rahmen Ihrer Geschichten neu sind. Etwa die Verhandlung christlichen Glaubens am Beispiel konkurrierender Madonnen, aber auch eine Auseinandersetzung mit – nennen wir es – „magischem Realismus“ wie Hellseherei und Gedankenlesen. Da Sie einen Roman immer vom Ende her schreiben: War es von vornherein geplant, dass diese Aspekte zentral sein würden? Oder hat sich das Buch im Laufe des Schreibens verändert?

Das Buch hat sich nicht verändert, während ich es schrieb. Und ich würde Ihren Begriff des „magischen Realismus“ auch nicht verwenden. Letztlich bemühe ich mich seit meinem ersten Roman, mit Scharfsinn und Genauigkeit bestimmte Aspekte des menschlichen Daseins zu beschreiben. Dabei müssen diese Aspekte nicht immer vollkommen realistisch sein – und doch sind sie für viele Menschen wahr. „Magischer Realismus“ ist einer dieser typischen Begriffe, mit denen Kritiker etwas zu umschreiben versuchen, das für einen Autor vollkommen selbstverständlich ist.

Sie können aber doch nicht leugnen, dass die genannten Aspekte als Sujet für einen Roman von Ihnen ziemlich ungewöhnlich und neu sind.

Und ob ich das kann! Schon deshalb, weil die Urversion von „Straße der Wunder“ über 20 Jahre alt ist. Damals war die Geschichte allerdings ein Drehbuch, das sich komplett auf die Kindheit meiner beiden Protagonisten Juan Diego und Lupe beschränkte. Das ganze Drehbuch spielte im Jahr 1970.

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