Joana Mallwitz

Joana Mallwitz

„Dirigieren funktioniert nicht ohne Disziplin.“

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  • Enno Kapitza
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Zur Person

20. April 2021, Nürnberg. Immanuel Klein, persönlicher Referent von Joana Mallwitz, Dirigentin und Generalmusikdirektorin des Nürnberger Staatstheaters, öffnet die Tür zum Parkett. Tausend Musikliebhaber könnten in diesem Saal sitzen, aber jetzt ist hier niemand, der Raum ist dunkel. Klein erzählt von der letzten Premiere vor 50 Zuschauern im Oktober vergangenen Jahres: Monteverdis Barockoper „Orfeo“, inszeniert von Intendant Jens-Daniel Herzog, dirigiert von Joana Mallwitz. Sie selbst wartet im lichten Direktorinnenzimmer im fünften Stock des Hauses, durch die Balkontür gleitet Frühlingsluft hinein. Mallwitz spricht von den vielen Eigenarten ihres Berufes, von kleinen Impulsen und der Magie des Loslassens.

Joana Mallwitz, welches Märchen empfanden Sie als Kind berührend?

Ich habe alle Märchen von Astrid Lindgren geliebt. (überlegt) Es gibt so ein paar, die so traurig sind und die ich trotzdem immer sehr gerne mochte, „Klingt meine Linde“ oder „Sonnenau“ zum Beispiel oder „Mio, mein Mio“.

Im Vergleich zu den Geschichten der Grimms sind Lindgren-Märchen heiterer.

Jein. „Klingt meine Linde“ ist eine recht traurige Geschichte über ein Waisenmädchen. Ihre Seele steckt in dem Baum, diese klingende Linde tönt und macht am Ende Musik. Wo Sie Grimms Märchen erwähnen: Ich habe als kleines Kind eine Kassette gehabt, mit „Dornröschen“ drauf, und die ging los mit einer Klaviermusik, die ich rauf und runter gehört habe. (singt die Melodie) Als kleines Kind habe ich nicht darüber nachgedacht. Jahrzehnte später, so mit 25, stand ich in der Küche – und plötzlich lief dieses Stück im Radio. Es war das „Andante Favori“ von Beethoven. Das war wie ein Schock. Ich war plötzlich wieder vier Jahre alt. (lacht)

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