Joachim Kühn

Joachim Kühn

„Menschen sind wie Noten, jeder steht für sich allein.“

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Zur Person

04. Dezember 2018, Berlin. Joachim Kühn strahlt weltgewandte Lässigkeit aus, in blauem Jackett mit passendem Schal, am Hemdkragen eine Piloten-Sonnenbrille, betritt der Jazzpianist das Restaurant. Ein fester Händedruck. Ob es in Ordnung sei, wenn er noch kurz eine rauche, ehe das Gespräch beginnt? Kein Problem, wir haben Zeit. Zwei Stunden lang redet der gebürtige Leipziger, der bald seinen 75. Geburtstag feiert, sein Mineralwasser rührt er dabei kaum an. Kühn erzählt, warum er als Kind einer Artistenfamilie aus der DDR floh, warum es für ihn keine Alternative zum freien und improvisierten Leben gibt und was die vier Ks Katze, Köter, Kinder, Kirche damit zu tun haben.

Herr Kühn, benötigt man Rastlosigkeit, um Jazzmusiker zu sein?

Rastlosigkeit klingt erst mal nervös, das bin ich nicht. Ich habe keinen Stress. Meine Idee ist es, die beste Musik zu spielen, die möglich ist. Bis zum Umfallen. Die Unruhe bestand früher höchstens darin, dass ich immer die neuesten Platten hören wollte.

Von wem kamen die?

Als ich noch in der DDR lebte, hatte ich einen billigen Tape-Rekorder aus Plastik, der nie richtig funktionierte. Auf dem lief ein Song des Miles Davis Quintet. Und auf dem hörte ich auch das erste Solo von John Coltrane, und wusste: Mit dem werde ich mein Leben verbringen. Meine musikalischen Vorbilder habe ich seit meiner Jugend, das sind immer noch dieselben Leute.

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