Jana Hensel

Jana Hensel

„Der Osten war die progressivere Gesellschaft.“

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  • Natascha Zivadinovic
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Zur Person

Die Autorin und Journalistin Jana Hensel wollte eigentlich nicht mehr über den Osten schreiben. Der besorgniserregende Rechtsruck in ihrer Heimat hat sie jedoch umgestimmt. In »Es war einmal ein Land – Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet« unternimmt sie jetzt eine politische Landschaftsvermessung, die schmerzhafte Erkenntnisse zutage fördert.

Jana Hensel, ist der Osten Deutschlands für die Demokratie schon verloren?

Er droht verloren zu gehen, ja. Ich mache mir große Sorgen. Wir sind nicht mehr an einem Punkt, an dem wir irgendetwas unterschätzen dürfen. Ich komme aus Ostdeutschland, meine Familie lebt dort. 1989 bin ich zusammen mit meiner Mutter auf die Straße gegangen. Dass wir jetzt, mehr als 36 Jahre später, eine Gesellschaft beobachten, die zu so großen Teilen so stark nach rechts driftet – das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt. Und ich fürchte, wir werden im Wahljahr 2026 eine noch gefährlichere Entwicklung sehen.

Gibt es einen Punkt in der Geschichte, an dem diese Entwicklung noch aufzuhalten gewesen wäre?

Wenn wir in die ostdeutsche Nachwendegeschichte schauen, sehen wir in den 90er-Jahren hohe Arbeitslosigkeit, große Abwanderung, Deindustrialisierung in einem Maße, wie wir sie bis dato nicht kannten. Dennoch waren die 90er eine politisch offene Zeit. Die Ostdeutschen gingen durch diese enormen Herausforderungen immer noch im großen Glauben an die Demokratie. Die erste große Zäsur war die Einführung der Hartz-Reformen 2004. Ein sozialdemokratischer Kanzler, den die Ostdeutschen ins Amt gewählt hatten, sendete mit Hartz IV das Signal aus: Arbeitslosigkeit ist fortan nicht mehr das Problem des Staates …

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