Jan Philipp Albrecht

Jan Philipp Albrecht

„Wir haben alle etwas zu verbergen.“

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  • Philipp Aumann
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Zur Person

Berlin, 5.10.2015. Der junge Politiker Jan Philipp Albrecht wartet im Café Einstein Unter den Linden, dem Lieblingswasserloch des Berliner Politikbetriebs. Albrecht sitzt allerdings nicht im Bundestag, sondern ist Europa-Abgeordneter der Grünen. Als solcher hat er jüngst einen ziemlich zähen Kampf für ein europäisches Datenschutzgesetz gefochten, der jetzt in der Polit-Doku „Democracy – Im Rausch der Daten“ im Kino nachzuerleben ist. Albrecht ist bester Stimmung, er vergewissert sich nur kurz, ob er das Interview vor dem Erscheinen gegenlesen darf. Schließlich hat kürzlich ein Journalist getitelt, Albrecht fordere eine „Facebook-Polizei“ – was ihm nie einfiele. Er bestellt Latte Macchiato mit Sojamilch und legt hochtourig los.

Herr Albrecht, was haben Sie heute schon alles von sich preisgegeben?

Jan Philipp Albrecht: Ich habe heute zum Beispiel schon getwittert. Das ist ein Kommunikationskanal, den man als Politiker nicht mehr ignorieren kann, und da gibt man schon einiges preis. Nicht nur das, was man will, nämlich die politische Botschaft, sondern wenn man nicht aufpasst auch, wo man sich gerade koordinatenmäßig befindet. Da ist es dann nicht so cool, wenn man zuhause im Bett liegt. Und man gibt preis, zu welcher Uhrzeit man sich Gedanken über Politik gemacht hat, was im Zweifelsfall auch ein seltsames Bild erzeugen kann.

Gibt es einen Schlüsselmoment des Erschreckens: Ups, was habe ich da gerade getan?

Nicht den einen Schlüsselmoment, das kommt immer wieder vor. Ein Beispiel: In Brüssel, wo ich auch eine Wohnung habe, fehlt mir ab und zu die Zeit, einzukaufen. Deswegen habe ich mich bei einem Lieferdienst registriert, der einem die Einkäufe nach Hause bringt. Eines Tages kam dann raus, dass sämtliche Kundendaten dieses Dienstes öffentlich verfügbar waren, unter anderem also auch meine private Adresse. Nicht dass ich regelmäßig bedroht würde, aber über Kollegen aus rechtsextremen Fraktionen schreibe ich schon mal nicht so nette Sachen. Und wenn man dann weiß, dass unter diesen auch Abgeordnete sitzen, die sich nicht vor Gewalt scheuen, ist das schon ein Schreckmoment. Da merkt man: Das hat schon Sinn mit dem Datenschutz.

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