James Lovelock

James Lovelock

„Die Menschen müssen sich weiterentwickeln, so wie alle Tiere.“

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  • Gareth Iwan Jones
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Zur Person

10. April 2020, Abbotsbury. Um die Erde als einen gesamten, von den Wechselwirkungen des ihn bewohnenden Lebens geprägten Organismus zu begreifen, braucht es einen ziemlich weiten Blick. Den beweist der britische Gelehrte James Lovelock schon seit den 70er-Jahren mit der Formulierung seiner Gaia-Hypothese, nach der die Erde und ihre Biosphäre wie ein Lebewesen zu betrachten seien, sowie mit seinen frühen Warnungen vor einer globalen Erwärmung. In seinem neuen Buch „Novozän“ schreibt der Hundertjährige sogar ein ganz neues Zeitalter herbei, in dem eine uns wohlgesonnene Künstliche Intelligenz gerade noch rechtzeitig vor einer vom Menschen verursachten Apokalypse die Geschicke des geschundenen Mutterplaneten übernimmt. Zeit für einige Fragen.

Mr. Lovelock, Sie arbeiteten bereits vor Jahren an Studien zu über Atemwege übertragenen Infektionen, vermutlich kam für Sie als Wissenschaftler mit den Spezialgebieten Physik, Chemie und Medizin die heutige Lage nicht sonderlich überraschend.

Das Erste, was ich sagen muss, ist, dass ich mich selbst nicht so sehr als Wissenschaftler sehe, sondern vielmehr als Ingenieur. Deswegen fühle ich mich in einer deutschen wissenschaftlichen Atmosphäre auch sehr zu Hause, da geht es mehr ums Technische. Andere europäische Wissenschaftler neigen zu einer beinahe religiösen Aura, und das liegt mir nicht. Es ist interessant, wie sich etwa meine Beziehungen zur NASA mit denen der Deutschen vergleichen lassen. Der Beitrag von Wernher von Braun und anderen deutschen Ingenieuren zur Erforschung des Weltraums war, dass sie großartige, riesige Raketen bauten. Der Grund, warum die NASA auf mich zukam, war dagegen, dass ich winzige, sehr sensible Detektoren herstellte. Diese ließen sich leicht von jenen kleinen Raumschiffen tragen, die die NASA auf den Mars schicken wollte. In beiden Fällen ging es eher um praktische Dinge als um Theorie.

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