Irvine Welsh

Irvine Welsh

„Schotten sind merkwürdig: Wir lieben Fremde, aber untereinander hassen wir uns.“

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  • Norman Konrad
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Zur Person

Irvine Welsh kam am 27. September 1958 im schottischen Leith zur Welt. Mit 16 Jahren schmiss er die Schule, verdingte sich in zahlreichen Jobs und fand weder als Immobilienmakler noch als Management-Student Erfüllung. In Ermangelung einer gangbaren Alternative schrieb Welsh Anfang der Neunzigerjahre seinen ersten Roman „Trainspotting“. Das Buch wurde erst ein Erfolg, dann ein Kult, dann ein Erfolgs-Kultfilm und gilt mittlerweile als Standardwerk über die britische Rave-Kultur vor der Jahrhundertwende. Seither erschienen 13 Romane und vier Erzählbände von ihm, außerdem sechs Drehbücher und zwei Theaterstücke. Welsh lebt und arbeitet in London und Edinburgh.

10. Juni 2026, Berlin. Irvine Welsh hat keine Lust, den ganzen Tag im Hotel zu sitzen, also geht er kurzentschlossen vor die Tür. Nebenan ist ein Café, das zur Mittagsstunde noch nicht geöffnet hat, aber für den Schriftsteller wird eine Ausnahme gemacht. Welsh hat so gar nichts gemeinsam mit den Grobianen, die seine Romane bevölkern – er zeigt sich höflich, beinahe schüchtern. Das ändert sich erst, als er den Mund aufmacht. Sein schottischer Akzent wirkt wie ein fester Händedruck, und wenn er zu fluchen anfängt, ahnt man, dass es ihm gut geht. Zu sagen hat er auch einiges. Welsh gibt erst das Fußballorakel und dann den Paartherapeut. Und erklärt zwischendurch, weshalb Schottland endlich seine Unabhängigkeit braucht.

Irvine Welsh, wenn diese Magazinausgabe in den Läden steht, wird die Fußball-Weltmeisterschaft vorbei sein – aktuell steht sie noch bevor. Was ging Ihnen durch den Kopf, als sich die schottische Nationalelf für das Turnier qualifiziert hat?

Ich bin ja schon mein Leben lang Fan der Mannschaft und hielt Archie Gemmills Tor gegen die Niederlande 1978 für den bislang schönsten schottischen Treffer aller Zeiten. Aber Scott McTominays Fallrückzieher in der Qualifikation gegen Dänemark letzten Herbst war möglicherweise noch sehenswerter. Ich glaube, mir gefällt er sogar besser, weil mehr davon abhing. Ich muss aber peinlicherweise zugeben, dass ich mir das Spiel gar nicht angeschaut habe, weil ich nicht daran geglaubt habe, dass Schottland es gewinnen könnte. Als ich dann das Ergebnis mitbekam, habe ich sofort den Fernseher eingeschaltet, denn dieses Tor wurde in Dauerschleife gezeigt.

Glauben Sie daran, dass Schottland in den USA etwas reißen kann?

Ich fürchte nein. Marokko hat uns beim letzten Aufeinandertreffen deutlich geschlagen, und gegen Brasilien wird es erst recht schwierig. Ich könnte mir vorstellen, dass wir gegen Haiti gewinnen, aber das war es dann auch. Sowohl Brasilien als auch Marokko werden mehr Tore gegen sie schießen als wir, weil wir einfach nicht die vergleichbare Feuerkraft haben. Unser Mittelfeld ist ganz solide, aber sowohl im Sturm als auch in der Abwehr hapert es bei Schottland. Ein 1:0 wird das Höchste der Gefühle sein, da muss man realistisch bleiben.

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