Iris Berben

Iris Berben

„Man muss seine eigene Radikalität immer wieder überprüfen.“

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  • Jonas Holthaus
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Zur Person

17. September 2020, Berlin. Iris Berben, in Tunika und Sneakers, bewegt sich leichtfüßig durch die im 15. Stock gelegene Bibliothek des Waldorf Astoria in der Hardenbergstraße. „Ein Telefoninterview noch“, sagt sie entschuldigend und zieht sich mit einem Lächeln in den Nebenraum zurück. Zehn Minuten später sitzt sie entspannt und aufmerksam auf dem Sofa. Keine Spur von Erschöpfung ist ihr anzumerken, obwohl sich die Interviews seit dem Morgen streng getaktet aneinanderreihen. Das Gespräch dreht sich um Verwurzelung, Wandel und Ausgrenzung – zentrale Themen ihrer neuen Fernsehfilme „Das Unwort“ und „Altes Land“. Iris Berben, inzwischen 70 Jahre alt, ist gedanklich und körperlich in Bewegung. Ihre Devise? „Rock ’n’ Roll.“

Iris Berben, zwei Ihrer jüngsten Filme heißen „Nicht tot zu kriegen“ und „Unter Freunden stirbt man nicht". Ist das jeweils der Plan?

(lacht) Ja, mein Plan ist es, den Tod möglichst lange auszublenden. Obwohl er mir sehr bewusst ist, weil auch in meinem Umfeld viele Menschen bereits gegangen sind. Wenn man die 70 erreicht hat, ist das eine biologische Realität. Ich versuche aber, den Gedanken daran nicht zu einem täglichen Begleiter zu machen.

Ihre frühe Karriere ist von lustigen Rollen geprägt: In „Zwei himmlische Töchter" spielten Sie mit Ingrid Steeger, in „Sketchup“ mit Dieter Krebs. Seit vielen Jahren drehen Sie dagegen gesellschaftskritische, häufig eher ernste Filme. Hat es sich ausgelacht?

Nee, eigentlich nicht. „Traumfrauen“, „High Society“ oder „Miss Sixty“ sind drei Kinofilme, in denen ich ziemlich schräg bin. Ich würde mir aber schon wünschen, im Alltag nicht so überspitzt aufzutreten, wie ich es da getan habe. Auf der politischen Ebene jedoch hat es sich tatsächlich in vielerlei Hinsicht ausgelacht. Dennoch bin ich jemand, der auch den seriösesten und schmerzhaftesten Themen in irgendeiner Weise eine Leichtigkeit zu geben vermag, einen Humor, eine Komik. Das Leben zeigt uns ja, dass es selbst in den extremsten und traurigsten Situationen sehr komische Momente geben kann. Es ist mein Rettungsanker, zu sagen: Ich will nicht in dieser Hilflosigkeit verharren, der wir ausgesetzt sind – wie derzeit in der Pandemie. Wir sind schließlich alle zusammen auf diesem Wahnsinns-Planeten, den ich als eine – wenn auch zerfledderte – Einheit sehe. Diese Erde bietet so viel Unwahrscheinliches und auch so wunderbare Antworten. Ich brauche diese Zuversicht und auch den Humor, über sich selbst lachen zu können. Ich lache nicht gern aus. Man muss differenzieren, ob man jemanden auslacht, über sich selbst lacht oder mit anderen Menschen zusammen lacht.

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