Heinz Rudolf Kunze

Heinz Rudolf Kunze

„Der linksgrüne Gutmensch verkörpert eine ganz neue Art von Spießertum.“

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22.01.2016, Dessau. Eigentlich würde Heinz-Rudolf Kunze nach unserem Fototermin in der historischen Bauhaus-Kulisse gerne rauchen. Doch der Versuch, ein entsprechendes Lokal zu finden, bleibt erfolglos. Kurz darauf sitzt „Professor Deutschrock“ daher an einem runden Holztisch in der Hotel-Lobby und spricht über sein neues Album. Ausgerechnet seinem „Deutschland“ hat er es gewidmet, durchaus provokant in einer politisch aufgewühlten Zeit zwischen Willkommenskultur einer- und aufkeimendem Nationalismus andererseits. „Jeder gute Deutsche hat sich an dir gerieben, denn so einfach ist es nicht, dieses Land zu lieben“, singt Kunze im Titelsong und lässt im Gespräch keinen Zweifel daran, dass er bereit dazu ist, ein „guter Deutscher“ zu sein.

Herr Kunze, Sie machen seit 35 Jahren Musik und haben seitdem im Schnitt jedes Jahr ein Album veröffentlicht. Warum war es ausgerechnet jetzt an der Zeit, Ihr „Deutschland“ zu definieren?

Eigentlich war das gar nicht geplant, denn das Titelstück war der letzte Nachzügler. Alle anderen Titel waren schon fertig, ehe mir dieses Lied einfiel und ich mir dachte: Wenn du schon so einen Song machst, sollte auch das Album so heißen.

Die Möglichkeit, dass so ein Titel in diesen Zeiten als Statement zur Betonung des Nationalen aufgefasst werden könnte, ist Ihnen vermutlich bewusst.

Natürlich werden sich manche Leute wieder ärgern. Allein schon, wenn sie diesen Titel sehen, wird es heißen: „Igitt, das will ich mir gar nicht anhören.“ Das kann ich nicht ändern. Wer das Album hört, merkt, dass er sich gar nicht ekeln müsste. Das Titellied zeigt meine Faszination für dieses Land, aber auch meine Ärgernisse. Ich besinge darin auch eine lange Tradition deutscher Künstler, die Schwierigkeiten mit diesem Land hatten und sogar ins Exil getrieben wurden.

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