Håkan Nesser

Håkan Nesser

„Der Himmel muss sterbenslangweilig sein.“

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Zur Person

20. Juli 2018, Berlin. In die Spa-Räume des Soho House unten im Keller und in den oberen Geschossen kommt nicht jeder rein. Clubmitglied muss man sein – und sich für wichtig halten in dieser Welt zwischen weißem Wein und Bademänteln. Håkan Nesser sieht sich woanders. Er wartet in einer Zwischenetage, in einem weitläufigen, hölzernen Raum, einem in sich ruhenden und knarzenden Herrenzimmer mit Ausblick. Eine Tasse Tee, mehr braucht der weltweit erfolgreiche schwedische Krimiautor nicht. Es ergibt sich ein Gespräch übers Schweigen und Schreiben, über Tiere und Menschen, über das kleine Glück des Guten und die Faszination des Bösen.

Herr Nesser, gibt es eine Frage, die Sie schon als Teenager beschäftigt und bis heute nicht mehr losgelassen hat?

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Dafür muss ich in meiner Erinnerung graben. (überlegt) Wenn ich tiefer fische, dann erinnere ich mich vage an etwas. Es ist eher etwas, das ich als Lehrer damals an meinen Schülern beobachten konnte. Bei diesen jungen Menschen im Teenageralter waren existenzielle Fragen sehr präsent. Philosophie wird im klassischen Sinne an Schulen nicht unterrichtet, dabei sind die Jugendlichen doch an den zentralen Fragen des Lebens interessiert: Warum bin ich hier? Wo kommt das alles her? Gibt es einen Plan? Gibt es einen Gott? Warum verhalte ich mich schlecht, wenn ich doch eigentlich vom Guten überzeugt bin? Was bringt der Tod mit sich?

Hatten Sie damals als Lehrer Antworten für Ihre Schüler parat?

Nein, natürlich nicht. Diese Fragen sind fundamental. Jeder fragt sie sich, egal in welchem Alter, in welcher Formulierung und an welchem Fleck dieser Erde. Das Traurige daran ist, dass man diese Fragen im Laufe seines Lebens aus den Augen verliert. Du gehst durchs Leben – und wirst blind. Du hast diese Fragen als Heranwachsender, als Neuankömmling in dieser Gesellschaft, und dann hörst du urplötzlich auf, dich diese wichtigen Fragen zu fragen.

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