Fred Armisen
„Hinter jedem Geräusch steckt eine Story.“
Zur Person
Fred Armisen (geboren am 4.12.1966 in Hattiesburg, Mississippi) ist der Sohn einer Venezuelerin und eines Deutsch-Koreaners, der seine Kindheit im deutschen Soltau verbrachte. Als Kind lebte Armisen ein paar Monate mit der Familie in Brasilien, ansonsten wuchs er in New York auf. Seine Leidenschaft als Teenager gehörte dem Schlagzeugspiel, durch die Punk-Szene war er in den 80er-Jahren Mitglied in diversen Noise-Bands in New York und Chicago. In den 90ern war er einer der Drummer hinter den Kulissen der Blue Man Group. Durch ein spontan entstandenes Video im Rahmen eines Musikfestivals wurde er als Comedian entdeckt. Er trat in den großen Late-Night-Shows auf, von 2002 bis 2013 war er Mitglied des Ensembles von „Saturday Night Live“. Zusammen mit Carrie Brownstein entwickelte er die Serie „Portlandia“, in der er das Hipstertum der Westküste aufs Korn nahm. Mit seiner Veröffentlichung „Standup for Drummers“ gewann er 2019 den Grammy für das beste Comedy-Album. Er arbeitet auch als Synchronsprecher und Drehbuchautor, bis vor Kurzem war er Leader der Band der Late Nighshow von Seth Meyers. Er ist in dritter Ehe mit der Schauspielerin Riki Lindhome verheiratet, das Paar lebt in Los Angeles.
26. August 2025, Los Angeles. Es fällt schwer, Fred Armisen mit wenigen Worten zu beschreiben. Der 58-Jährige ist Stand-up-Comedian, unterwegs mit Bühnenprogrammen. Dazu ein begnadeter Schlagzeuger – was er auch in seine Comedy einpflegt. Und nicht zuletzt Schauspieler, zu sehen in fast allen exzellenten US-Sitcoms der vergangenen Jahre – oft in kleinen, kultisch gefeierten Rollen. Seine neueste Veröffentlichung ist ein bizarres Album mit 100 Soundeffekten, darunter ein Champagnerglas, das auf den Boden fällt, oder das Buhen im Theater nach einer misslungenen Vorstellung. In unseren Zoom-Call wählt er sich fünf Minuten früher ein als geplant. Das bedeutet noch mehr Zeit, um dem Phänomen Fred Armisen auf die Schliche zu kommen. Wobei die Fährte zurück bis ins Japan des frühen 20. Jahrhunderts führt.
Fred Armisen, wie haben die Leute bei Ihrer Plattenfirma reagiert, als Sie mit der Idee ankamen, ein Album mit 100 Soundeffekten zu veröffentlichen?
Oh, die Resonanz war sehr positiv. Man muss wissen, dass mein Label Drag City nicht nur Musik veröffentlicht, sondern auch Bücher. Es gab sogar einmal eine Installation in einer Kunstgalerie. Die Menschen dort haben also Lust auf Experimente und wagen sich gerne an ungewöhnliche Dinge heran. Und von mir sind sie solche ohnehin gewohnt.
Sie haben 2007 eine DVD auf den Markt gebracht, die einerseits eine sehr lustige Parodie auf Lern-Videos von Schlagzeugern war, mit Ihnen in der Rolle des fiktiven Super-Drummers Jens Hannemann. Anderseits funktioniert das Tutorial tatsächlich als Lern-Video.
Es gab damals eine Reihe solcher Schlagzeuger-DVDs von technisch versierten Drummern, meistens sehr ernste Angelegenheiten. Ich liebte diese Lern-Videos, fand aber auch, dass ein bisschen Humor der Sache guttun würde. Trotzdem ist mir wichtig, dass diese Veröffentlichungen eine gewisse Zweckmäßigkeit besitzen und mehr sind als nur Quatsch.