Eveline Hall

Eveline Hall

„Ich bin der geborene Ehrgeizling.“

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  • Jens Umbach
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Zur Person

13. Mai 2021, Hamburg. Fröhlich meldet sich Eveline Hall von ihrem Bakelit-Nachkriegstelefon. Die ehemalige Primaballerina, die mit Mitte 60 noch eine erfolgreiche Model-Karriere gestartet hat, unterbricht für unser Gespräch ein spannendes Tennismatch im Fernsehen. Sie berichtet von maßgeschneiderten Filmrollen, Neustarts im gesetzten Alter und romantischen Orten mit Hefe-Duft. Intensive Einblicke erlaubt Hall in ihre besondere Familiengeschichte.

Eveline Hall, als Balletttänzerin waren Sie in Hamburg an der Staatsoper, dann viele Jahre als Showgirl in Paris und Las Vegas tätig. Gesang und Schauspiel haben Sie auch gelernt. Mit 60 kam dann das Modeln hinzu. Wissen Sie beim Aufwachen, wer und was Sie sind?

Tatsächlich wache ich morgens auf und werde mir meiner vielfältigen Möglichkeiten erst langsam bewusst. Momentan fühle ich mich dank der vielen Aktivitäten zehn Jahre jünger, als mein Pass es ausweist. Mein Arzt holt mich dann aber zurück auf den Boden der Tatsachen, wenn er über seine Brille schaut und mich fragt: „Wir wissen aber schon, wie alt wir sind?“ (lacht)

Sie sprechen mit mir über ein älteres Telefon, einen Klassiker der Telekommunikation.

Ja, mein Spezialtelefon liebt jeder. Es stammt noch von meinen Eltern. Der Apparat hat alles, was ich brauche, um in Ruhe zu sprechen. Ohne Empfangsprobleme bietet er die besten Voraussetzungen für ein gutes Gespräch. Etwas romantische Nostalgie schwingt dabei natürlich auch mit. Das fängt mit der klackernden Wählscheibe an und endet mit dem Klang, der entsteht, wenn ich den Hörer auf die Gabel lege. Das ist für mich vergleichbar mit dem Hören einer schönen Schallplatte. Sie legen das Vinyl auf, es knistert ein kleines bisschen. Ich liebe es – und darum bleibt dieser Apparat bei mir, bis ich umfalle.

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