Eva Ries
„Ich habe manchmal den Mut der Verzweiflung.“
Zur Person
Eva Ries, geboren 1962 in Mannheim, ist eine Musikmanagerin, Autorin und Filmproduzentin. Nach ihrer Ausbildung zur Fotografin geht sie ihrem Wunsch nach, im Musikbusiness zu arbeiten: Über ein Praktikum in den USA bekommt sie ihren ersten Job bei Geffen Records in Hamburg, wo sie unter anderem mit Bands wie Guns N’ Roses, Aerosmith, Nirvana und Sonic Youth arbeitet. 1994 kommt sie bei RCA Records, beziehungsweise dem New Yorker Hip-Hop-Label Loud Records, unter und ist dort als internationale Marketing-Managerin unter anderem für den Wu-Tang Clan und dessen Debütalbum „Enter The Wu-Tang (36 Chambers)“ verantwortlich. Sie arbeitet über 25 Jahre mit der Band und einzelnen Mitgliedern zusammen, außerdem später als VP International / Urban Music bei Sony mit Künstlern wie Nas. P. Diddy (Sean Combs), zu dessen mutmaßlichen Gräueltaten sie sich trotz einer klaren Haltung nicht äußern möchte. Ries ist heute als selbstständige Musikmanagerin und Produzentin tätig. Sie lebt mit ihrem Mann in Mannheim.
4. September 2025, New Jersey. Eva Ries ist geschäftlich in den USA. Als selbstständige Musikmanagerin hat sie Meetings in New York, wo sie zwei ihrer Künstler vertritt: die Rockband Cosmodrome und die Boygroup Elevator Boys. Mit Pop-Bands hatte Ries bislang wenig Berührungspunkte, doch mit Männern in einer Band kennt sie sich aus. Als Label-Managerin begleitete sie jahrelang den Wu-Tang Clan, eine der bekanntesten Rap-Bands der Welt, und übernahm in dieser Rolle auch Aufgaben, die nicht vorgesehen waren. Per Videocall berichtet sie von ihrem ungewöhnlichen Weg ins Musikbusiness; davon, wie sie Udo Lindenberg aufgelauert hat, wie sie sich als Frau in einem männerdominerten Business durchsetzte und von ihrer intensiven Zeit mit dem Wu-Tang Clan, von der auch die NDR-Dokumentation „Evil E“ erzählt.
Eva Ries, Sie arbeiten seit mehr als drei Jahrzehnten als Managerin in der Musikbranche. Was muss eine Band mitbringen, damit Sie mit ihr zusammenarbeiten?
Am wichtigsten ist, dass ich Potenzial für die Zukunft sehe und dass die Band Charisma und eine Vision hat, die sie mir glaubhaft vermitteln kann. Wenn ich der Meinung bin, dass wir das umsetzen können, dann sage ich zu. Ich bin schon so lange in diesem Business, dass ich erkenne, was funktionieren kann, was Potenzial hat und interessant ist oder auch nicht.
Die Musikindustrie kann schnelllebig sein: Eine gute Idee von heute ist morgen vielleicht schon nicht mehr so viel wert.
Das stimmt! Wir haben in der Musikindustrie zudem das Problem, dass es mittlerweile sehr viele Musikgenres, Bands und Künstler gibt, die um die Aufmerksamkeit der Fans und Follower konkurrieren. Durch das Internet und Social Media ist alles noch schnelllebiger geworden. Die Konsumenten wissen bei diesem Überangebot gar nicht mehr, was sie sich anhören sollen. Das ist schade, auch weil sich kaum jemand mehr mit einem kompletten Album befasst. Ich komme aus einer Welt, in der man Musik noch ganz anders konsumiert hat.