Eva Asselmann

Eva Asselmann

„Denkt euer Leben von hinten!“

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Zur Person

Eva Asselmann (Jahrgang 1989) ist Professorin für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie an der Health and Medical University in Potsdam. Zuvor forschte und lehrte sie an der Technischen Universität Dresden und der Humboldt-Universität zu Berlin. Internationale Forschungsaufenthalte führten sie unter anderem an die University of California, Los Angeles (UCLA). In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich vor allem mit Persönlichkeitsentwicklung, Selbstwirksamkeit und psychischer Gesundheit. Für ihre Forschung erhielt sie mehrere Auszeichnungen, darunter den Werner-Straub-Preis, sowie Förderungen der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit engagiert sie sich in der Wissenschaftskommunikation in Print-, Radio- und TV-Medien.

24. Februar 2026, Potsdam. Die einen schütten ihr bereitwillig ihr Herz aus, die anderen wechseln vorsichtshalber ins Smalltalk-Fach – man weiß ja nie, was ein Profi alles aus der Persönlichkeit herausliest: Eva Asselmann gehört zu den jüngsten Psychologie-Professorinnen Deutschlands. In ihrem neuen Buch »Too Much« behandelt sie die Frage, warum wir in Zeiten der Beschleunigung verstärkt nach Kontrolle suchen. Im Gespräch über Leistungsdruck, Lebenskrisen und Lernprozesse blickt sie auf ihr eigenes Erwachsenwerden zurück, räumt mit hartnäckigen psychologischen Binsenweisheiten auf und macht Mut: Unsere Persönlichkeit ist kein starres Gebilde.

Eva Asselmann, Ihr neues Buch heißt „Too Much“. Wann war es Ihnen selbst zuletzt zu viel – und was haben Sie dagegen getan?

Ich habe aktuell meine Professur, habe das Buch geschrieben, mache dafür gerade viel PR – und mein Mann arbeitet in Los Angeles, weshalb ich zwischen Deutschland und den USA pendle. Das ist schön und privilegiert, aber es heißt auch, permanent unterwegs zu sein. Ständig auf dem Sprung, nie ganz ankommen – das hat Vor- und Nachteile. Wenn ich entspannt bin, genieße ich die Sonne in L.A. und das Joggen am Strand. Wenn ich gestresst bin, erscheint mir das Unterwegssein wie eine zusätzliche Unsicherheit. Dann gönne ich mir eine Pause. Ich laufe einmal um den Block, bis ich wieder klar denken kann – das ist mein Notfallplan. Ich treffe auch gerne eine Freundin zum Abendessen, das schafft Abstand.

Manchmal lässt sich etwas, das „too much“ erscheint, nicht einfach so abstellen – was dann?

Wenn man merkt, dass man akut überfordert ist, hilft es, bewusst in den Moment zurückzukehren: Was sehe ich vor mir, was höre ich, was spüre ich? Den Stoff auf der Haut, den Boden unter den Füßen. Über die Sinne kommt man zurück ins Hier und Jetzt. Unter Stress ist man gedanklich oft ganz woanders. Der erste Schritt ist, überhaupt zu erkennen, dass gerade alles zu viel ist.

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