Dita von Teese
„Ich tanze schon mein Leben lang nur nach meiner eigenen Pfeife.“
Zur Person
Dita von Teese wurde am 29. September 1972 als Heather Renée Sweet in einem kleinen Ort in Michigan geboren. Bereits mit vier Jahren nahm sie Ballettunterricht und wollte professionelle Ballerina werden. Nach einer Verletzung und der Erkenntnis, dass sie anatomisch nicht die idealen Voraussetzungen für eine derartige Profikarriere mitbrachte, arbeitete sie als Tänzerin bei Techno-Partys und schließlich auch in Strip-Clubs. Nebenbei verdiente sie außerdem als Verkäuferin in einer Lingerie-Boutique ihr Geld, wo ihre Vorliebe für extravagante Mode geweckt wurde. Schon zu Beginn ihrer Karriere verkörperte sie den exquisiten Vintage-Stil, der bis heute ihr Markenzeichen ist. Weltweite Berühmtheit erlangte sie, nachdem sie das Cover des Playboys zierte. Dieses Jahr geht sie mit ihrer Burlesque-Show »Nocturnelle« weltweit auf Tournee. An Halloween nutzt sie gerne eine straßenköterblonde Perücke, die ihrer natürlichen Haarfarbe entspricht, und verkleidet sich als Normalo. Laut eigener Aussage wird sie so fast nie erkannt.
13. Januar 2026, Las Vegas. Das Bildschirmfenster bleibt unbewegt. Statt eines Videos funkelt darin ein Foto von Dita von Teese in einer silbernen Glitzerrobe. Es ist erst neun Uhr morgens, die »Königin des Burlesque« liegt noch im Bett. Von ihrem Hotelzimmer im Venetian in Las Vegas, wo sie derzeit mit ihrer Show gastiert, hat sie Ausblick auf die kugelförmige Arena Sphere. Dita von Teese nimmt sich viel Zeit, holt für ihre Antworten gerne etwas weiter aus, findet aber immer wieder zum Kern der Frage zurück. Oft lässt sie im Gespräch ihr sympathisches Lachen erschallen, das ihr etwas Mädchenhaftes verleiht.
Dita von Teese, sind Sie eine Nostalgikerin?
Bei gewissen Dingen bin ich nostalgisch, aber nicht bei allem. Tankstellen mit Komplettservice finde ich zum Beispiel grandios. Wäre es nicht toll, wenn ich zum Tanken nicht aussteigen müsste, sondern jemand das für mich erledigen und ich ihm dafür Trinkgeld geben würde? (lacht) Ansonsten beschränkt sich meine Nostalgie hauptsächlich auf Visuelles: Architektur, Mode und generell das damalige Stilempfinden. Ich werde oft gefragt, ob ich lieber in einer anderen Zeit leben würde, aber meine Antwort darauf ist trotzdem nein.
Aus welchen Gründen?
Ich bin dankbar dafür, in dieser fortschrittlicheren Zeit zu leben. Ich genieße viele Freiheiten, die Frauen damals nicht hatten. Bis 1974 durfte man als Frau in den USA nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen. Ich habe mir kürzlich die Biografie von Cher angehört, in der sie darüber spricht, dass sie keine Kontrolle über ihr Geld hatte und ihr Ehemann sie und ihre Finanzen überwachte. Das ist erschreckend. Ich hätte auch nicht gerne in einem Amerika zu Zeiten der Rassentrennung gelebt. In Las Vegas, wo ich gerade bin, durfte ein Superstar wie Sammy Davis Jr. nicht im selben Hotel wie Frank Sinatra wohnen. Bei all der visuellen Schönheit gibt es viele Dinge, die in der Vergangenheit furchtbar waren. Allerdings sollte ich aufpassen, was ich sage, denn gerade hat man eher das Gefühl, dass die Uhren sich wieder zurückdrehen.