Didi Hamann
„Ich glaube nicht, dass man nur kritisieren darf, wenn man außerhalb steht.“
Zur Person
Dietmar „Didi“ Hamann (geboren 1973 in Waldsassen und aufgewachsen in München) lernte das Fußballspielen beim FC Wacker München. Später spielte er auf den großen Bühnen: FC Bayern, FC Liverpool, Manchester City, deutsche Nationalmannschaft. Weit mehr als 500-mal lief er als Profi auf. Mit Liverpool gewann er 2005 die Champions League, mit Deutschland wurde er 2002 Vizeweltmeister. Hamann beendete seine Karriere als Spieler 2011. Für eine kurze Zeit versuchte er sich in England als Trainer, bis 2018 lebte er auf der Insel. Heute arbeitet Hamann als TV-Experte beim Sender Sky und ist in München zu Hause.
24. April 2026, München. Freitagnachmittag, kurz nach drei Uhr. Pommesduft weht über die Terrasse des Blauen Sterns, der Vereinsgaststätte des FC Wacker München. Die Achtzigerjahre sind sehr gegenwärtig: verwitterte Tische und Stühle, eine Speisekarte mit viel Fleisch und noch mehr Djuvec-Reis, Fußballwimpel mit fransigem Goldrand im Gastraum. Dietmar Hamann platziert sich so, dass er den Platz im Blick hat. Acht- und Neunjährige in ozeanblauen Trikots schießen sich die Bälle zu. Der Rasen: sattgrün, gepflegt. Zu Hamanns Zeit war so ein Rasen der ersten Mannschaft vorbehalten. Für die Kleinen wie ihn war damals Asche gut genug. Er schaut hinüber, länger als nötig, mit ein bisschen Wehmut im Blick.
Didi Hamann, auf Seite 228 Ihres neuen Buches schreiben Sie: „Ich muss mal wieder öfter bei Wacker vorbeischauen.“ Jetzt sitzen wir hier.
Was geht Ihnen durch den Kopf? Erinnerungen. Gute Erinnerungen. Ich komme ja ab und zu hierher, wenn ich in der Nähe bin. Wenn offen ist, gehe ich rein, wenn nicht, springe ich hinten über den Zaun und laufe eine Runde um den Hauptplatz. Nicht, weil ich etwas Bestimmtes suche. Ich lasse mich hier einfach gern treiben. Ich habe hier mit fünf Jahren angefangen und gespielt, bis ich 16 war. Als Kind denkst du nicht: Das wird einmal ein prägender Ort. Du gehst hin, spielst, gehst heim. Am nächsten Tag wieder. Erst im Nachhinein wird klar, wie viel hier angefangen hat. Nicht nur fußballerisch.
Wenn Sie heute auf die Kinder dort drüben schauen: Hat deren Fußballwelt noch viel mit der zu tun, in der Sie angefangen haben?
Wohl eher nicht. Natürlich haben die Jungs und Mädels Spaß, wenn sie dem Ball hinterherlaufen. Die wollen Tore schießen, Doppelpass spielen, die anderen austricksen. Deswegen fängt man an. Aber außen herum hat sich viel verändert. Heute wird sehr früh erklärt, bewertet, sortiert. Ich würde fast wetten, dass eines dieser Kinder schon ein Angebot von Augsburg oder Bayern hat. Das ist viel zu früh.