Deborah Lipstadt

Deborah Lipstadt

„Antisemitismus ist der älteste Hass der Welt.“

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Zur Person

30. Oktober 2018, Atlanta. Deborah Lipstadt entschuldigt sich per Mail, dass das Gespräch erst verspätet beginnen kann – sie stehe im Stau. Etwas später am Tag hat sie noch ein Fernsehinterview, und wenn Lipstadt viel gefragt ist, bedeutet das nicht nur Gutes. Die 71-jährige Professorin für Moderne Jüdische Geschichte und Holocaust-Studien hat gerade ihr Buch „Der neue Antisemitismus“ veröffentlicht – ein Thema, das in den USA wie auch in Europa an Brisanz gewinnt.

Mrs. Lipstadt, während wir sprechen, berichten die Nachrichten von dem Anschlag auf eine Synagoge in Pittsburgh, wo ein 46 Jahre alter weißer Antisemit elf Menschen ermordet hat. Hat sich eine solche Tragödie seit den rassistischen Ausschreitungen von Charlottesville angebahnt?

Ich glaube nicht daran, dass Tragödien unausweichlich sind. Höchstens indirekt führt eine Straße von Charlottesville nach Pittsburgh, aber: Es hätte nicht so kommen müssen. Auch der frühe Antisemitismus der Nazis hätte nicht im Holocaust, in der Shoah münden müssen. Wenn allerdings etwas so Schreckliches geschehen ist wie jetzt der Anschlag auf die „Tree of Life“-Synagoge, lassen sich in der Rückschau die Wegmarken erkennen, die dorthin geführt haben.

Welche Wegmarken sind das?

Wir haben in den USA bereits zur Zeit der Wahl von Barack Obama einen Anstieg des Antisemitismus erlebt, vor allem ein Erstarken der „White Supremacy“-Bewegung – eine Gruppierung der extremen Rechten, die fürchtete, Obama würde ihr die Waffen wegnehmen. Und die es gehasst hat, dass ein Afroamerikaner Präsident werden konnte. In den vergangenen drei Jahren, während der Präsidentschaftskampagne und schließlich der Präsidentschaft von Donald Trump, hat sich das Klima noch einmal verschärft. Ich sage nicht, dass Trump ein Antisemit ist …

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