Cyril Tuschi

Cyril Tuschi

„Ich sehe Naivität als mein Kapital an.“

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  • Laura Jay
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Zur Person

04.03.2014, abends in Berlin in einer verwegenen, aber aufgeräumten Bar. Pünktlich schreitet Cyril Tuschi die Barhocker ab, um in den hinteren Bereich, zum Stammtisch zu gelangen. Dafür muss er den Raum durchqueren. Die Eckkneipe ist voll und in seinem Kiez. Das merkt man daran, dass er häufig grüßt. Bei einem Pils und kleinen Snacks schießen die Ideen, Assoziationen, Einblicke und Anekdoten nur so aus ihm heraus. Bald fühlt man sich in seiner Gesellschaft als Teil eines verloren geglaubten Zirkels, deren Mitglieder sich zum Ziel gesetzt haben, politisch versierte Bohemiens zu sein. Sanfte, zügige Sprechweise zusammen mit brisanten Inhalten führen immer wieder direkt ins Zeitgeschehen spannender Weggefährten, die Zivilcourage zeigen.

Herr Tuschi, Michail Chodorkowski und Julian Assange sind beides schillernde Persönlichkeiten, die auf ihre Weise Einfluss ausüben. Sie setzen sich mit beiden filmisch auseinander. Was ist der Grund dafür?

Cyril Tuschi: Mich interessieren widersprüchliche Persönlichkeiten. Ich habe mich auch gefragt, wieso ich mich nach Michail Chodorkowski für jemanden wie Julian Assange interessiere. Es liegt daran, dass beide in ihren Biographien und ihrem Handeln Widersprüche aufweisen. Das finde ich spannend. Zusätzlich gehen Sie beide ein großes persönliches Risiko ein, was heutzutage selten ist.

Wie wirkt Julian Assange auf Sie?

Ich habe ihn jetzt länger nicht mehr gesehen, aber er wirkte auf mich wacker. Er hat ganz großen Humor. Ich habe natürlich schon Angst, dass er verrückt wird in diesem kleinen Raum, denn ein paar der Freiheiten, die er in dieser Botschaft hatte, werden jetzt gerade etwas eingeschränkt. Er muss viel machen damit er nicht verrückt wird und sich tagsüber mit normalen Leuten treffen. Wobei Chodorkowski unter ähnlichen Bedingungen ja auch nicht durchgedreht ist. Dennoch muss man sagen, man merkt Leuten an, lange der Freiheit beraubt gewesen zu sein.

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