Cornelia Funke

Cornelia Funke

„Ein Buch ist keine Medizin, sondern Schokolade.“

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  • Michael Orth
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Zur Person

06. November, 2020, Los Angeles. Pünktlich um neun Uhr Ortszeit ruft Cornelia Funke zum Skype-Gespräch von ihrer Ranch in den Bergen Malibus aus an. „Etwas anders als beim letzten Mal“, lockert Deutschlands erfolgreichste Jugendbuchautorin die Begrüßung herzlich auf, denn es ist nicht das erste gemeinsame Gespräch. Funke sitzt in ihrem Wohnzimmer, im Rücken eine große Bücherwand – prädestiniert, um über die großen Fragen der Fantasie und der Kindheit zu sprechen. Aus den angedachten 45 Minuten werden zwei spannende Stunden. Im Hintergrund melden sich immer wieder ihre beiden Hunde Tabby und Jake bellend zu Wort. Und zum Abschied wiehert Esperanza, die Eselin.

Cornelia Funke, was sind die Zutaten für ein gutes Märchen?

Das ist eine sehr herausfordernde erste Frage. Ich denke, eine Frau beantwortet sie anders als ein Mann. Ich habe vor einiger Zeit für „Pushkin Press“ in London eine Märchen-Anthologie zusammengestellt und hatte keine Ahnung, was für eine Herausforderung da auf mich wartet. Es ist sehr schwierig, Märchen zu finden, in denen die Frau nicht einfach nur die Prinzessin ist und darauf wartet, vom Prinzen gerettet zu werden. Es ist nicht so, dass ich Märchen immer mag, im Gegenteil: Die meisten mag ich nicht.

Was missfällt Ihnen?

Märchen sind oft sehr konservativ. Sie propagieren traditionelle Werte, die ganz bestimmt nicht im Sinne von Frauen sind. Märchen sind häufig auch rassistisch und reaktionär, denn sie sind dafür geschrieben, die bestehende Ordnung zu bestätigen und nicht, um sie zu hinterfragen.

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