Claus von Wagner
„Kabarett ist ein sehr einsames Geschäft.“
Zur Person
Claus von Wagner, geboren am 28.11.1977 in München, wuchs im oberbayerischen Miesbach in einem norddeutschen Elternhaus auf. Bereits als Schüler schrieb er satirische Texte, studierte nach dem Abitur Kommunikationswissenschaften und Medienrecht, dazu im Nebenfach Recht für Sozialwissenschaftler. Mit 20 Jahren debütierte er mit dem ersten Soloprogramm „Warten auf Majola“. Er arbeitete als Journalist, bevor er sich endgültig für das Kabarett entschied, um weiterhin eigene Texte zu schreiben. Im Jahr 2004 gründete von Wagner zusammen mit Philipp Weber und Mathias Tretter das „Erste Deutsche Zwangsensemble“. Mit „Das Tagebuch des täglichen Wahnsinns“ folgte eine eigene wöchentliche Radio-Hörkolumne bei Bayern 3. Seit 2012 ist er festes Ensemblemitglied der ZDF-„Heute Show“, seit 2014 zusammen mit Max Uthoff Gastgeber der Satiresendung „Die Anstalt“, die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Zur Entspannung vertreibt sich der Flexitarier die Zeit mit Brett- und Computerspielen. Einen Tag ohne Kuchen hält er für möglich, aber sinnlos. Claus von Wagner hat eine Tochter und lebt in München.
23. Juli 2025, Berlin. Dauerregen durchspült die Hauptstadt. Das düstere Szenario passt zu Claus von Wagners politischem Solo „Projekt Equilibrium“, in dem es darum geht, das Gleichgewicht zu verlieren. An drei aufeinanderfolgenden Tagen führt er im ausverkauften Saal durch die Turbulenzen unserer Zeit. Während des Gesprächs im sechsten Stock des Hotels, in dem der Satiriker aus München übernachtet, wirkt er offen, verletzlich und humorvoll. Es ist erst Mittag, aber schon Zeit für gewichtige Themen: von Wagner spricht über einen gesundheitlichen Rückschlag, die Veränderungen, die sich daraus ergaben, und die Einsamkeit eines Kabarettisten.
Claus von Wagner, der Ursprung für Ihr Programm „Projekt Equilibrium“ liegt im Verlust Ihres eigenen Gleichgewichts. Wie kam es dazu?
Äußerlich lief alles bestens. Ich war regelmäßig für „Die Anstalt“ und die „Heute-Show“ im Fernsehen zu sehen, dazu gab es Anfang 2020 noch die letzten Vorstellungen meines ehemaligen Programms auf großen Bühnen, wie dem Theater am Aegi in Hannover oder der Urania in Berlin. Das war alles großartig. Es war aber eben auch sehr viel. Dass ich überarbeitet war, habe ich verdrängt. Dann kam Corona – und fast alles war auf einen Schlag weg. Im Urlaub wollte ich ein neues Programm schreiben, ohne zu wissen, ob und wann ich es überhaupt spielen würde. Und dann ging plötzlich das Ohr zu. Kurz darauf fiel der Gleichgewichtssinn auf der linken Seite aus. Hörsturz.
Wie äußerte sich dieser noch?
Zuerst kam ein Tinnitus – genau auf der Frequenz, auf der ich schon vorher einen leichten Hörschaden hatte. Dieses schrille Fiepen blieb. Es zu ignorieren, wie einem geraten wird, ist schwer, denn der Ton ist ständig da. Ich konnte nicht mehr schlafen. Der Gedanke, nie wieder Stille genießen zu können, war furchtbar. Dramatisch wurde es, als Schwindel hinzukam. Meine Welt drehte sich plötzlich – wie betrunken, nur nicht so unterhaltsam. Das Symptom nennt sich Schwankschwindel, man fühlt sich wie nach einem Tag auf einem Schiff bei heftigem Seegang.