Chris Kraus
„In meinen Träumen altere ich nicht.“
Zur Person
Christopher „Chris“ Kraus wird 1963 in Göttingen geboren. Dort arbeitet er zunächst als Journalist und Illustrator, bevor er 1991 nach Berlin zieht, um an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Regie zu studieren. Es folgen verschiedene Arbeiten als Regisseur und Drehbuchautor, bevor Kraus seinen Debütroman „Scherbentanz“ 2002 selbst verfilmt. Große Aufmerksamkeit erfährt sein Knastdrama „Vier Minuten“ (2006) mit Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung, das mehr als 60 internationale Filmpreise einheimst. 2008 realisiert Chris Kraus mit „Fidelio“ seine erste Arbeit als Opernregisseur, es folgen weitere Kinofilme und Bücher. „Die Sonne und die Mond“ ist bereits sein fünfter Roman. Der Autor lebt in Berlin.
08. Juli 2025, Berlin. Man erkennt den Schriftsteller schon von Weitem. Chris Kraus sitzt auf einer Parkbank, liest ein Buch und lächelt leise in sich hinein. Eigentlich ist ein Café in der Nähe vom Hackeschen Markt als Interviewlocation angedacht, aber das Wetter ist zu schön, um sich drinnen aufzuhalten. Also besser gleich dageblieben. Ein Schwarm Teenager sitzt gegenüber, große und kleine Hunde werden ausgeführt, ein freundlicher Bettler kommt genau zur richtigen Zeit vorbei und fragt nach Kleingeld. Es ist ein Tag, um die Seele baumeln zu lassen, den Menschen bei ihrem Tagwerk zuzusehen und ein wenig darüber zu philosophieren. Alles Dinge, auf die Chris Kraus spezialisiert ist. Selbst, wenn sein eigenes Leben gerade kopfsteht.
Chris Kraus, haben Sie eigentlich schon mal etwas von Chris Kraus gelesen? Von Ihrer amerikanischen Schriftstellerkollegin, mit der Sie den Namen gemeinsam haben?
Ja, „I Love Dick“ habe ich gelesen. Wobei ich den ersten Teil des Buchs interessanter fand als den zweiten. Aber das Verrückte ist, dass ich mit ihr sogar eine Geschichte teile.
Wirklich? Und welche?
Ich bin ihr als Filmstudent einmal begegnet. Auf der Berlinale Anfang der Neunzigerjahre. Da hat sie ganz verstohlen Plakate von einem ihrer schrägen Kurzfilme aufgehängt. Ich habe sie auf unseren identischen Namen angesprochen, aber damals wollte sie irgendwie nicht reden. Jetzt, wo unsere Bücher immer wieder verwechselt werden, habe ich noch einmal versucht, sie in Paris zu treffen. Unsere beiden französischen Verleger kennen sich nämlich. Leider ist das bisher noch nicht zustande gekommen.