Chris Crawford

Chris Crawford

„Ich bin ein Getriebener.“

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Zur Person

03.02.2014, Köln. In den Achtzigern nannte man ihn „Mr. Atari“, in den Neunzigern kehrte er der Videospiel-Industrie den Rücken und fungiert seither als einer der schärfsten Kritiker der Branche, die er einst mitbegründete: Gamedesign-Urgestein Chris Crawford ist ein kantiger Zeitgenosse, der kein Blatt vor den Mund nimmt und nur wenig gute Haare an den Spielen von heute lässt. Geradezu nostalgisch erzählt er von den Anfangstagen der Videospielbranche, der besonderen Leistung einzelner – und wie sein Interesse an Geschichte und Militarismus erst das Bedürfnis weckte, Spiele zu programmieren. Die heutige Szene betrachtet er indes mit einem ebenso militanten Grausen: Er sei „deprimiert von all dem Müll, der heute vorgestellt wird“. Aber er sieht auch Lichtstreifen am Horizont.

Herr Crawford, in Ihren Büchern und Vorträgen verwenden Sie gerne deutsche Wörter wie „Schwerpunkt“, „Völkerwanderung“ oder „Dreck“. Sprechen Sie Deutsch?

Chris Crawford: Oh nein. Aber ich lese hin und wieder englische Bücher über deutsche Persönlichkeiten. Ich interessiere mich sehr für Geschichte. Auf diese Weise habe ich auch von dem Begriff „Schwerpunkt“ erfahren. Das ist ein wunderschönes Wort, das im Englischen keine Entsprechung hat, die genau dasselbe bezeichnen würde wie im Deutschen. Ich klaue sehr gern bei anderen Sprachen, wenn mir ein Wort begegnet, das eine Sache besser zum Ausdruck bringt als die englische.

Sie haben ihre Laufbahn als Gamedesigner 1979 bei Atari begonnen. Heutzutage treten Sie vor allem als harscher Kritiker der zeitgenössischen Spielkultur in Erscheinung. Warum erreichen aktuelle Games aus Ihrer Sicht nicht die Qualität von damals?

Als ich begann Spiele zu programmieren, waren sie technologisch einfacher. Der Normalzustand war, dass ein Spiel von einer einzelnen Person entwickelt wurde. Entwicklerteams gab es keine. Die meisten der zur damaligen Zeit entwickelten Titel wirken heute geradezu primitiv. Aber die schwache Rechenleistung der Computer und die Notwendigkeit, alles allein zu machen, hatte auch ihr Gutes. Denn sie zwang uns zur Disziplin.

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