Campino
„Wir waren alle immer nur in diesem einen Team.“
Zur Person
Campino (geboren am 22.6.1962 in Düsseldorf) heißt eigentlich Andreas Frege, wird aber nur von Polizei, Finanzamt und engsten Familienangehörigen mit seinem bürgerlichen Namen angesprochen. Er wuchs mit fünf Geschwistern als Sohn einer englischen Mutter und eines deutschen Vaters in Mettmann auf, verbrachte viel Zeit bei seiner Verwandtschaft in Großbritannien. Von 1978 bis 1982 war Campino Sänger der Band ZK, im Anschluss gründete er unter anderem mit Andreas „Andi“ Meurer und Michael „Breiti“ Breitkopf Die Toten Hosen. Campino ist auch als Schauspieler tätig. In Wim Wenders’ „Palermo Shooting“ spielte er 2008 eine Hauptrolle. Als Co-Regisseur war er 2020 selbst maßgeblich an der Dokumentation „Wim Wenders, Desperado“ beteiligt, die bei den Filmfestspielen in Cannes gezeigt wurde. Campino hat zusammen mit der Schauspielerin Karina Krawczyk einen 2004 geborenen Sohn namens Lenn. Im März 2019 hat er die britische Staatsbürgerschaft angenommen und besitzt nun zwei Pässe.
27. April 2026, Düsseldorf. Ende Mai beginnt für Die Toten Hosen die letzte Tour zum letzten Album. Danach fällt der Vorhang. Die Band steckt mitten in den Proben, aber Sänger Campino nimmt sich noch einmal einen Nachmittag frei. Wir treffen uns im Hosen-Hauptquartier in der Halle eines Gewerbehofs, gelegen im Düsseldorfer Osten. Campino trägt Base-Cap, Jeans und Hemd. Small Talk über Fußball ist obligatorisch, ihn treibt die Sorge um die heimische Fortuna um, die in der Zweiten Liga in Abstiegsgefahr schwebt. Ein Urteil über Taktik und Aufstellung verbittet er sich: „Ich bin beim Training ja nicht dabei.“ Reden wir also lieber über Die Toten Hosen und ihn. Über würdevolle Abschiede, Krisen in der Bandgeschichte und Campinos großes Ziel, wenn er nach der finalen Tour endlich die Zeit findet.
Campino, „Trink aus, wir müssen gehen“ – sind Sie eher jemand, der diesen Spruch sagt oder der den zu hören bekommt?
Früher habe ich den, glaube ich, häufiger gesagt bekommen, als dass ich ihn selbst ausgesprochen hätte. Heute spielt er in meinem Privatleben eigentlich keine Rolle mehr. Meine Frau und ich gönnen uns gegenseitig, dass der eine auch mal länger als der andere bleibt, wenn er Spaß auf einer Party hat. Wir würden daher eher sagen: „Ich fahre schon mal vor.“
Als Titel für ein letztes Album passt der Satz ziemlich gut.
Das stimmt, und ich habe ihn auch schon viele Jahre im Kopf, mit der Gewissheit, dass das ein guter Titel für den Schluss ist. Ich schreibe mir nicht viele Dinge auf, bin kein Texter, der immer mit einem Notizbuch durch die Gegend läuft. Aber diesen Spruch habe ich mir notiert mit dem Gedanken, dass er irgendwann mal für etwas gut sein würde. Und der Moment ist jetzt gekommen.