Bijan Moini

Bijan Moini

„Wir müssen misstrauisch bleiben.“

Zur Person

28. Februar 2020, Berlin. Der Jurist und Bürgerrechtler Bijan Moini liegt unter einem Haufen aus Kabeln und technischen Geräten begraben auf dem Boden. Zum Glück ist es nur ein Motiv fürs Fotoshooting. Was tut man nicht alles für die künstlerische Freiheit? Um die Freiheit des Individuums hingegen geht es dem Digital-Skeptiker im Kern. Er hat aktuell einen literarischen „Weckruf“ veröffentlicht, der uns eine düstere Zukunft prophezeit, wenn wir uns nicht aus den Fesseln der großen IT-Konzerne und des aufziehenden „digitotalen“ Staats befreien. Entsprechend wird man Bijan Moini auf Facebook oder Twitter vergebens suchen.

Bijan Moini, wenn man die Menschen daran erinnern muss, dass Freiheit einen Wert hat – was ist dann in dieser Gesellschaft schiefgelaufen?

Uns ist die Bequemlichkeit in die Quere gekommen, sie verstellt den Blick darauf, wie wichtig Freiheit ist. Wenn uns alles nach unserem vermeintlichen Geschmack angeboten wird und wir uns keine Mühe mehr machen müssen, dann schätzen wir die Freiheit der Entscheidung nicht mehr – sondern greifen zu. Dazu kommt, dass uns Sicherheit immer wichtiger geworden ist. Die Menschen sind heute eher bereit, Freiheiten aufzugeben, wenn ihnen dafür mehr Sicherheit versprochen wird. Das wissen Politiker auszunutzen, indem sie Ängste schüren.

Klingt nach selbstverschuldeter Unmündigkeit.

Unbedingt. Wer sich führen lässt, wer nicht mehr mitdenkt und selbstbestimmt entscheidet, ist unmündig. Und in vielerlei Hinsicht ist dieser Zustand schon erreicht. Zum Beispiel wenn wir vor YouTube sitzen und nach dem zehnten Video merken, dass schon wieder zwei Stunden vergangen sind. Bei mir hinterlässt es jedenfalls einen schlechten Nachgeschmack, wenn ich mich mal wieder habe fangen lassen – von Algorithmen.

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