Bazon Brock

Bazon Brock

„Wer sich tätowiert, ist ein Faschist.“

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Zur Person

28.08.2018, Berlin. Die „Denkerei“ liegt in Kreuzberg, über den riesigen Schaufenstern klare Ansagen: „Bazon Brock – Denker im Dienst – Öffentliches Glühen.“ Hier wirkt er also, der Künstler ohne Werk, der berühmte Professor für Ästhetik, dem seine Schüler an den Lippen hingen, bis sie vor Erschöpfung auf dem Boden lagen. Die Assistentin weist auf den Meister, der an einem schmalen Bürotisch sitzt. Im Regal: zum Kunstwerk erhobene Alltagsgegenstände zu den Themen Liebe und Schönheit, Shampoo-Flaschen und Bonbons. Bazon Brock sondiert, erschnuppert, erfühlt sein Gegenüber. Es wird um Körper und Gewalt gehen, um Pornografie und Barbarei, um Sprechverbote und eine Zumutung namens Freiheit.

Herr Brock, „Lernt fliegen!“ heißt es in Ihrem Manifest aus dem Jahr 1968. Hat sich unsere Gesellschaft aerodynamisch verändert?

Aerodynamisch? (lacht) Ich spreche lieber von der shakespeareschen Sturmdynamik, also der Bewegtheit der Seelen. Ob 1968 da eine große Wirkung hatte, kann man bezweifeln. Fliegen ist ein Synonym für Gedankenarbeit. Wir wollten uns hinausdenken, hinausfliegen aus der Situation. „Fantasie an die Macht!“ hieß es in Frankreich, aber sie ist nicht an die Macht gekommen. Unsere Erzählung von 1968 besitzt eine märchenhafte Dimension. 1968 war aber eigentlich das Gegenteil der großen Vision der fliegenden Gedanken, die aus dem Gefängnis der Gesellschaft in die Welt wirken.

Sieht man vom Eskapismus mithilfe von Drogen ab...

Auch das war nicht 1968! Das war die Aussteigerszene der Popkultur. 1968 war aber kein Erlebnis der Popkultur, kein Aussteiger- sondern ein Einsteigerprogramm: Bürger, kommt herunter und reiht euch ein. Nicht: Geht ins Schlafzimmer und raucht einen Joint.

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