Bastian Pastewka

Bastian Pastewka

„Ich wünsche mir, dass wir keine Angst vor Satire haben.“

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  • Tobias Schult
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Zur Person

Bastian Pastewka hat einen langen Interviewtag hinter sich. Anlass ist die neue Prime-Video- Produktion »Fabian und die mörderische Hochzeit«, in der er einen Betrüger spielt, der aus Versehen zum Ermittler wird. Doch auch am späten Nachmittag zeigt Pastewka keine Gesprächsmüdigkeit. Ein kurzes Hallo – und schon geht’s über zu Trump und dessen Abneigung gegenüber Late-Night-Talkern wie Jimmy Kimmel. Daher werden die vorbereiteten Fragen kurzerhand zur Seite gelegt, um darüber zu reden, welche Funktion Humor und Satire in demokratischen Gesellschaften haben.

Bastian Pastewka, haben autoritäre Systeme Angst vor Humor?

Ob sie generell Angst vor Humor haben, da bin ich mir nicht sicher. Ich glaube, viele Autokraten halten sich für ausgesprochen humorvoll. Politische Satire jedoch ist ihnen ein Dorn im Auge. Das hat sich im Herbst 2025 gezeigt, als Donald Trump viele Hebel genutzt hat, um die Shows von Jimmy Kimmel und Stephen Colbert abzusetzen. Was ihm bei Kimmel jedoch nur kurzzeitig gelungen ist. Und ich kann diese Angst von Trump schon verstehen, denn die eröffnenden Stand-up-Takes der amerikanischen Late-Night-Stars wie Kimmel, John Stewart oder Seth Meyers haben es in sich, im besten Sinne.

Inwiefern?

Weil gute Satire die Schwächen der Machthabenden offenlegt. Über was Autokraten in der Regel nicht verfügen, ist Weitblick. Was daran liegt, dass sie in erster Linie an sich selbst denken. Sie begehen daher einen Fehler, den auch unbedarfte Zuschauerinnen und Zuschauer von Stand-up-Monologen manchmal machen: Sie nehmen das, was dort gesagt wird, wörtlich. Das darf man aber nicht tun, denn Comedy nutzt eine Art Geheimsprache. Die Figur mit Mikro auf der Bühne trifft zu Beginn des Abends mit seinem Publikum stillschweigend eine Verabredung – eine Verabredung zur Dauerironie. Das ist clever, denn wie könnte man die Wahrheit besser verstecken und gleichzeitig offenlegen als unter der Oberfläche der Dauerironie? Wenn es wirklich gut gemacht ist, dann nimmt das Publikum folgenden Gedanken mit nach Hause: „Da muss ich noch mal in Ruhe drüber nachdenken, war das jetzt so gemeint – oder war das nicht so gemeint?“ Diese Uneindeutigkeit und der freiheitliche Gedanke dahinter, die mögen Autokraten nicht. Weil sie eigentlich nur eines interessiert: Wer ist für mich, wer ist gegen mich?

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