Ashwin Raman

Ashwin Raman

„Ich kann nichts verdrängen.“

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  • Anna Merten
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Zur Person

22.02.2017, Selm. Wolken hängen über der Kleinstadt nördlich von Dortmund, der Asphalt ist nass. In einem der Häuser aus rotem Klinker lebt Ashwin Raman - zumindest, wenn der Kriegsreporter nicht bei den Piraten in Somalia oder den Taliban in Afghanistan weilt, im Irak oder in Syrien. Zwischen Bücherwänden steht das Porträt seiner ein Jahr alten Enkelin Isabella, im Wohnzimmer thront eine Buddha-Statue. Raman, der in diesem Jahr den Grimme-Preis gewonnen hat, strahlt eine besondere Ruhe aus. Den ganzen Vormittag nimmt er sich Zeit für ein Gespräch über Zahnschmerzen, Buddhismus und menschliche Wärme in apokalyptischen Situationen.

Herr Raman, haben Sie einen Schutzengel?

In den späten 80er-Jahren flog ich einmal im Auftrag der ARD nach Indien. Der Plan war, in Mumbai zu landen und sofort weiter nach Ahmedabad zu fliegen. Ich hätte den Verbindungsflug zwar locker erreichen können, war aber sehr müde und entschied, bei einem Freund zu schlafen und erst abends weiterzufliegen. Mein Freund weckte mich dann mit der schrecklichen Nachricht, dass das Flugzeug nach Ahmedabad abgestürzt war, alle Insassen waren tot. Weil mein Name auf der Passagierliste stand, brachte mein ehemaliger Arbeitgeber, die Times Of India sogar einen Nachruf über mich. Seitdem glaube ich daran, dass mir nichts passieren kann.

War es Ihr Traumberuf, Kriegsreporter zu werden?

Das war Zufall. Mein Vater war eine Zeit lang Diplomat in Saigon, dort habe ich meine ersten Berichte geschrieben. Später habe ich unter anderem für den Spiegel und die Westfälische Rundschau aus Nicaragua berichtet. Wenn du einmal den Stempel bekommst als Kriegsberichterstatter, wirst du das nicht mehr los.

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