Anton Corbijn

Anton Corbijn

„Das meiste, was uns visuell umgibt, ist billige Tapete.“

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Zur Person

11.07.2005, London. Im todschicken K-West Hotel sitzt der Fotograf Anton Corbijn und gibt Interviews im Akkord: Zurückhaltend, müde, aber freundlich. Er trinkt ein Glas heißes Wasser pur, und fläzt sich mit bequemer Kleidung und Birkenstock-Sandalen an den Füßen in die opulente Ledercouch.

Mr. Corbijn, ist es korrekt zu vermuten, dass Ihr Auge für Sujets und klare Formen durch Ihre außergewöhnliche Kindheit entstand, die Sie auf der winzig kleinen Nordsee-Insel Strijen verbrachten?

Anton Corbijn: Nein, falsch. Was Strijen für mich bewirkte: Ich wuchs auf in der verdammten Mitte von Nirgendwo. Nichts, was dort passierte, hatte irgendeinen Einfluss auf mich. Deshalb schien alles, was außerhalb der Insel stattfand, für mich wahnsinnig spannend. Ich hatte immer den Eindruck, dass mein Lebensstil überall dort gepflegt wird, wo ich nicht bin. Das half mir, mich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren und heraus zu finden, was ich wirklich tun will. Wäre ich in Amsterdam aufgewachsen, wäre ich vermutlich glücklich gewesen mit all den Möglichkeiten um mich herum. Dadurch, dass um mich herum aber nichts war, wurde ich sehr früh dazu gezwungen, mich intensiv mit der Frage nach meiner Zukunft zu beschäftigen. Wenn man von so einem verlassenen Ort kommt, ist man ein Niemand – und das half mir heraus zu finden, wie ich ein Jemand werden kann. Damit hat es sich aber auch schon mit den Vorteilen, dort aufgewachsen zu sein.

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