Annette und Inga Humpe
„Wir waren die deutschen Girls, die es jetzt international bringen sollten.“
Zur Person
Annette Humpe
Annette Humpe (geboren am 28.10.1950 in Hagen) verließ das Städtchen Herdecke und die Konditorei der Eltern, um in Köln Musik zu studieren. Weil ihr das nicht gefiel, ging sie 1974 nach Berlin, wo sie sofort Anschluss an die diverse Bandszene der Stadt fand. Sie war Teil der Wave-Band Neonbabies und 1980 Co-Gründerin von Ideal, einer der erfolgreichsten Bands der NDW-Bewegung. Getreu ihres Mottos, Bands und Projekte nach drei Alben aufzulösen, machte sie 1983 Schluss mit Ideal. Sie produzierte verschiedene Gruppen und Solokünstler, darunter Rio Reiser, Die Prinzen oder Max Raabe, komponierte außerdem für Udo Lindenberg. 2004 gründete sie mit Adel Tawil das Duo Ich + Ich, das große Erfolge einfuhr – und nach drei Alben beendet wurde. Annette Humpe lebt in Berlin.
Inga Humpe
Inga Humpe (geboren am 13.01.1956 in Hagen) machte ihr Abi, kurz nachdem Schwester Annette nach Berlin gegangen war. Sie studierte für eine kurze Zeit in Aachen, zog aber bald darauf ebenfalls nach Berlin. Dort besuchte sie die Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel und stieß wie ihre Schwester zur Band Neonbabies. Als Sängerin hatte sie 1983 einen Riesen-NDW-Hit mit „Codo“, als Teil von DÖF. In den 90er-Jahren entdeckte sie Electro- und House-Musik für sich. Zunächst ohne großen Erfolg. Das änderte sich 2001, als sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Tommi Eckart das Duo 2Raumwohnung gründete, dessen Electro-Pop das Berliner Lebensgefühl der Nullerjahre traf. Inga Humpe komponierte für Kylie Minogue, produzierte für Palais Schaumburg und den internationalen Hit „Shut Up And Sleep With Me“ von Sin with Sebastian, fertigte für Grönemeyer und Ennio Morricone Remixe an. Sie lebt in Berlin.
28. Februar 2025, Berlin. Eine Mitarbeiterin betritt den Zoom-Raum und bittet noch um einen Moment Geduld: Annette und Inga Humpe seien zwar im Gebäude, aber gerade nicht auffindbar. Wenige Minuten später grüßen die berühmtesten Pop-Schwestern des Landes freundlich in die Kamera. Im Laufe der folgenden Stunde zeigen sie sich als eingespieltes Duo. So, wie auf ihrem inzwischen 40 Jahre alten ersten gemeinsamen Album, das jetzt als Geburtstagsedition neu erscheint. Ein perfekter Anlass für die seltene Gelegenheit, ausführlich mit den Humpe-Schwestern zu sprechen.
Annette und Inga Humpe, was war die Initialzündung für Ihr Interesse an Popmusik?
Annette Humpe: Die Beatles zu hören, im Radio. Das haben wir exzessiv getan. Wir hatten zu Hause keinen Fernseher, den haben sich unsere Eltern erst 1966 angeschafft. Also haben wir Radio gehört. Und zwar alle Hitparaden, die wir empfangen konnten.
Sie lebten in Herdecke im südlichen Ruhrgebiet, das ist ein gut gelegener Ort, um viele Sender zu empfangen.
AH: Genau, es gab den WDR, aber auch Radio Hilversum aus Holland …