Angela D. Friederici

Angela D. Friederici

„Kinder wollen keine Sprache lernen, sie wollen kommunizieren.“

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Zur Person

10. Juli 2018, Leipzig. Wie kann es sein, dass wir unsere Muttersprache ohne jeden formellen Unterricht lernen, für alle weiteren aber die Schulbank drücken müssen? Zu dieser und weiteren Fragen rund um den Zusammenhang zwischen Sprache, Geist und Gehirn forscht die Neuropsychologin Angela D. Friederici seit mehr als 40 Jahren. Das Fotoshooting führt uns zunächst durch das imposante Gebäude des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften, das Friederici selbst mitgründete und an dem sie Direktorin ist. Das Gespräch findet im sommerlichtdurchfluteten Büro der Neuropsychologin statt. Auf dem Fensterbrett beobachtet eine Büste des amerikanischen Phrenologen Lorenzo Niles Fowler das Gespräch.

Frau Friederici, können Sie sich eine Welt ohne Sprache vorstellen?

Nein, denn dann würden wir nicht länger in einer sozialkommunikativen Welt leben. Für die soziale Kommunikation brauchen wir die Sprache. Es muss nicht unbedingt das gesprochene Wort sein, wir sehen alle, wie häufig wir über unsere Smartphones Informationen untereinander austauschen. Aber Kommunikation scheint ein menschliches Bedürfnis zu sein.

Wie komplex ist unser Sprachsystem? Oder anders gefragt, ist es nicht unglaublich, dass wir uns jetzt hier unterhalten können und einander verstehen?

Ich finde vor allem faszinierend, dass dies überall auf der Welt und in jeder Sprache möglich ist. Die Tatsache, dass wir als Kinder, egal wo auf der Erde wir geboren werden, jede Sprache – und mag sie uns noch so komplex erscheinen – in relativ kurzer Zeit lernen können, deutet darauf hin, dass wir ein genetisch angelegtes Programm für den Erwerb von Sprache haben.

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