Albrecht Schuch

Albrecht Schuch

„Die Gefahr, ein Arschloch zu werden, war da.“

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  • Thomas Dashuber
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Zur Person

6. November 2020, Berlin. Albrecht Schuch steht trotz Kälte gelassen vor dem Café an der Ecke. Sein Vintage-Rennrad hat er an ein Geländer angeschlossen. Zum Interview hat er Käsekuchen mitgebracht, bereits in zwei Hälften geteilt. Einen Spaziergang wollen wir machen, durch den Viktoriapark in Kreuzberg. „Es könnte ein bisschen zickzack gehen, ich bevorzuge die kleineren Wege“, sagt er. Später wird er tatsächlich mal quer über eine Wiese durchs Herbstlaub stapfen. Oben an einem Aussichtspunkt dreht er sich eine dünne Zigarette, die er mehrfach mit einem Papp-Streichholz aus einem Briefchen entzünden muss. Er hört aufmerksam zu, lächelt viel, überlegt auch länger, bevor er antwortet, um die passenden Wörter zu finden. Zum Abschluss bietet er an, für weitere Fragen noch zu telefonieren. Den vereinbarten Termin dafür notiert er in ein Notizbuch.

Herr Schuch, es heißt, Sie bereiten sich mitunter auf Interviews und Interviewer vor. Heute auch?

Nein, leider nicht, ich war gerade für Dreharbeiten zwei Monate in Italien am Lago d’Orta und bin gerade erst zurückgekommen. Wenn ich die Zeit und Muße finde, versuche ich tatsächlich, mich auf Interviews vorzubereiten. Damit es ein Gespräch wird – und nichts Einseitiges. Auch, wenn ich für die Vorbereitung auf bestimmte Rollen verschiedensten Menschen gegenübersitze, sage ich: „Hey, lasst uns das Gespräch gleichberechtigt bestreiten, Sie dürfen auch mich alles fragen.“ Ich will nicht das schale Gefühl hinterlassen, als hätte ich sie ausgenommen oder ausgesaugt.

Sie sagen, die Vorbereitung sei das Schönste am Beruf. Warum?

Sie ist mit das Schönste, ja. Weil ich dabei meinen Horizont erweitere, Leute und Themen kennenlerne – und zwar ganz unmittelbar, nicht nur aus dem Internet oder aus der Bibliothek. Es würde mir nicht reichen, nur aus mir selbst zu schöpfen. Deswegen treffe ich mich mit interessanten Menschen, mit Investmentbankern oder Neonazi-Aussteigern.

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