Im Oktober in Deutschland
Laura Pausini im Interview zur Tour
Foto: Javier Biosca
Mehr als 75 Millionen verkaufte Tonträger, ein Grammy, vier Latin Grammys und eine Karriere, die 1993 beim Sanremo-Festival begann: Laura Pausini gehört längst zu den erfolgreichsten Stimmen Italiens. Fast 20 Jahre nach »Io Canto« setzt sie mit »Io Canto 2 / Yo Canto 2« ihre persönliche Hommage an die Songs und Künstler fort, die sie geprägt haben. Im Rahmen ihrer elften Welttournee kommt die italienische Pop-Ikone im Oktober auch für zwei Termine nach Deutschland. Wir haben Pausini zur Magie des Live-Moments, zur besonderen Verbindung zu ihrem Publikum und ihrer Lust, auch nach mehr als drei Jahrzehnten Karriere immer wieder Neues zu wagen, befragt.
Laura Pausini, zwischen Ihrem Album »Io Canto« und dem Nachfolger »Io Canto 2« liegen fast 20 Jahre. Warum schien Ihnen nun der richtige Zeitpunkt gekommen, um dieses Projekt wieder aufzunehmen und fortzusetzen?
»Io Canto« ist eine Saga, ein Abenteuer, das vor zwanzig Jahren begann und einen wichtigen Meilenstein in meiner Karriere darstellte. Als ich das Album 2006 aufnahm, wusste ich bereits, dass es eine Fortsetzung geben würde, denn es gab einfach zu viele Lieder die ich singen wollte. Es ist ein Album, das aus meiner Liebe als Fan und dem Wunsch entstanden ist, meinen Lieblings-Singer-Songrwiter:innen, -Künstler:innen, der Musik und den Liedern Tribut zu zollen, die mich ein ganzes Leben lang begleitet haben. Einige der Titel, die nun auf »Io Canto 2« gelandet sind, hatte ich bereits vor zwanzig Jahren ausgewählt, in dem Wissen, dass früher oder später der richtige Moment kommen würde, um sie zu singen und mit allen zu teilen. Alles hat seine Zeit und in diesem Jahr habe ich mehr denn je das Bedürfnis verspürt, zu diesen Liedern zurückzukehren und sie mit Neuem zu verbinden, um damit der Musik und all den Künstlern die Ehre zu erweisen, die sie für mich und ganze Generationen so bedeutend gemacht haben.
Sie haben einmal gesagt, dass ein Lied für Sie erst dann wirklich vollständig ist, wenn Sie es live mit Ihrem Publikum geteilt haben. Was passiert auf der Bühne, was im Tonstudio einfach nicht möglich ist?
Für mich geht es bei der Musik ums Teilen. Ich fühle mich lebendig und voller Liebe, wenn ich all das mit meinen Fans teilen kann und sie wiederum Teil meiner Lieder werden. Ich liebe es, im Studio zu sein; es ist eine Parallelwelt, ein Ort, an dem ich fantasieren, träumen und mich frei fühlen kann. Vor allem aber ist es der intime Raum, in dem alles Gestalt annimmt. Und dann kommt der Moment, in dem dieser Song das Studio verlässt und die Menschen erreicht. Wenn ich vor meinen Fans singe, dann entsteht genau dort die Magie. Es ist diese Magie, diese Verbindung, die sich zwischen mir und denen bildet, die mir zuhören und mit mir mitsingen, die mir jeden Tag die Kraft und den Wunsch gibt, weiterzumachen.
Ihre Konzerte sind dafür bekannt, sehr emotional zu sein. Wie schaffen Sie es, selbst in Arenen mit Tausenden von Zuschauer:innen ein so starkes Gefühl der Intimität zu erzeugen?
Das freut mich wirklich sehr zu hören, denn für mich ist die Verbindung aus Aufrichtigkeit und Liebe zu meinem Publikum absolut grundlegend. Es gibt dafür keine Regeln; es passiert einfach, wenn es gelingt, Authentizität auf die Bühne zu bringen, denke ich. Ich bin deswegen immer noch jedes Mal gerührt, wenn ich eine Bühne betrete, selbst heute noch. Es bewegt mich aufrichtig, wenn ich daran denke, dass all diese Menschen für mich da sind, um mir zuzuhören und diese Lieder mit mir zu teilen.
Jede Tour erzählt ihre eigene Geschichte. Welche Geschichte möchten Sie mit der »Io Canto«-Welttournee erzählen?
Diese Tour präsentiert Musik, als wäre sie ein Fest zu Ehren einer wahren Königin. Deshalb haben wir uns in der Show, die ich gemeinsam mit Luca Tommassini konzipiert habe, vorgestellt, ein Zuhause zu schaffen, das einer Königin würdig ist: eine wahre Festung, in der ich zusammen mit meinen Techniker:innen und Musiker:innen zu ihren Untertanen gehöre. Unsere Waffen sind Musikinstrumente, und in meinem Fall wird das Mikrofon auf einem schwertförmigen Ständer ohne Spitze emporgehalten. Es ist ein Schwert, das auf drei Mikrofonen basiert: Eines steht für mich, eines für die Songwriter, denen ich auf diesem Album Tribut zolle, und das dritte für die Stimme des Publikums. Die gesamte Show wird daher ein Moment des Feierns sein, in dem wir alle gemeinsam der einzigen wahren Königin Tribut zollen können: der Musik. Wir werden dies in erster Linie mit vielen meiner größten Hits tun – jenen, die mich während meiner gesamten Karriere begleitet haben – sowie mit einigen der Songs von »Io Canto« und »Io Canto 2«.
Sie haben einen Großteil Ihrer Tour bereits hinter sich gebracht. Wie sind Ihre Eindrücke bisher?
Kaum hatten wir Anfang Juli die erste Etappe der Tournee abgeschlossen – die uns nach Spanien, Lateinamerika, Nordamerika und Kanada geführt hatte –, vermisste ich schon alles wieder. Reisen, um zu singen ist für mich eine große Ehre und ein Privileg. Und jeden Abend, wenn ich die Bühne betrat und für das Publikum sang, fühlte ich mich glücklich. Das Publikum war unglaublich herzlich, und ich kann es kaum erwarten, zurückzukehren und diese Emotionen noch einmal zu erleben und mit all denen zu teilen, die ich während der italienischen und europäischen Etappen der Tournee in diesem Herbst treffen werde. Jedes Land hat seine ganz eigene Energie und weckt unterschiedliche Gefühle in mir. Und genau das ist das Schönste daran: jedes Mal eine neue Welt zu entdecken und unvergessliche Emotionen zu teilen.
Sie werden im Oktober zwei Konzerte in Deutschland geben. Was verbinden Sie mit Ihrem deutschen Publikum?
Am 11. Oktober werde ich in Stuttgart und am 13. Oktober in Oberhausen sein – einer Stadt, in der ich noch nie zuvor war, und auf die ich mich schon sehr freue. Es ist immer eine Herausforderung, vor einem Publikum aufzutreten, das meine Sprache nicht spricht, aber dennoch eine tiefe Verbindung zu meinen Liedern aufbaut. Für mich ist jeder Auftritt vor einem internationalen Publikum eine Entdeckung und eine Herausforderung, und ich kann es kaum erwarten, mich von der Energie des deutschen Publikums mitreißen zu lassen!
Seit Ihrem Durchbruch beim Sanremo-Festival im Jahr 1993 sind mehr als drei Jahrzehnte vergangen. Wenn Sie zurückblicken: Was hat sich bei Laura Pausini als Künstlerin am meisten verändert – und was ist gleich geblieben?
Wenn ich innehalte und auf den Weg zurückblicke, den ich zurückgelegt habe, kann ich es immer noch kaum glauben, dass ich die Chance hatte, meine größte Leidenschaft zu meinem Beruf zu machen. Im Laufe der Jahre habe ich mich sicherlich in mancher Hinsicht verändert. Meine Erfahrungen, Erfolge und sogar die Schwierigkeiten, denen ich begegnet bin, haben mir geholfen, zu wachsen, und mir das eine oder andere beigebracht. Heute habe ich eine andere Perspektive, aber eines ist genau so geblieben wie früher: meine Begeisterung. Ich habe nach wie vor den Wunsch, Neues zu entdecken, zu lernen, mich selbst auf die Probe zu stellen und neue Herausforderungen anzunehmen. Diese Begeisterung, die ich schon am Anfang hatte, hat mich nie verlassen, und ich glaube, genau das ist eines der Geheimnisse, warum ich auch heute noch so sehr von meiner Arbeit begeistert bin.
Gibt es etwas, das Sie heute bewusst anders machen als zu Beginn Ihrer Karriere?
Als ich 1993 in Sanremo gewann, war ich noch ein junges Mädchen, das sich noch nicht in die weite Welt hinausgewagt hatte. In mancher Hinsicht fühle ich mich heute sicherlich selbstbewusster, aber dieses Selbstbewusstsein ist das Ergebnis meiner Reife und all der Erfahrungen, die ich glücklicherweise machen durfte. Ich habe gelernt, den Menschen zu vertrauen, die ich mir aussuche und die sich für mich entscheiden. Dieses Vertrauensverhältnis gibt mir mehr inneren Frieden, mehr Freiheit und auch mehr Selbstvertrauen bei den Entscheidungen, die ich treffe.
Gibt es musikalisch gesehen noch etwas, das Sie schon immer einmal erkunden oder ausprobieren wollten?
Auf »Io Canto 2« habe ich auch einen Titel auf Deutsch aufgenommen: »Wenn du an Wunder glaubst«, die deutsche Version von »Il cielo in una stanza« des großen Meisters der italienischen Musik, Gino Paoli. Das war eine große Herausforderung, denn es ging nicht nur darum, mich in einer anderen Sprache zu beweisen, sondern auch in einem anderen Musikstil. Ich singe gerne in verschiedenen Sprachen, denn jede hat ihre eigene Musikalität, ihren eigenen Rhythmus und ihre ganz eigene Art, Emotionen zu vermitteln. Einen Song in einer anderen Sprache als meiner Muttersprache zu singen, bedeutet für mich auch, eine Verbindung zu neuen Menschen, Kulturen und Emotionen herzustellen. Musik ist eine universelle Sprache, und für mich ist das Singen in mehreren Sprachen eine Möglichkeit, genau diese Kraft der Musik zu feiern: ihre Fähigkeit, unterschiedlichen Menschen das Gefühl zu geben, Teil derselben Emotion zu sein.
Wenn die Leute auf einem Ihrer Konzerte auf dieser Tour den Saal verlassen, welche Emotion oder welcher Gedanke soll ihnen Ihrer Hoffnung nach noch lange nach dem letzten Lied in Erinnerung bleiben?
Das ist eine gute Frage … Ich gehe nicht mit einem konkreten, festgelegten Plan auf die Bühne. Ich gehe einfach mit dem Wunsch auf die Bühne, den Menschen, die da sind, um diesen Abend mit mir zu verbringen, mein Bestes zu geben. Wenn die Leute am Ende des Konzerts mit einem Gefühl der Freude für mich nach Hause gehen, dann ist das mein größter Erfolg. Ich möchte den Menschen Freude, Musik, Leidenschaft und eine ganze Bandbreite an Emotionen schenken, und wenn es mir gelingt, etwas in den Herzen derer zu hinterlassen, die gekommen sind, um mir zuzuhören, dann habe ich das Gefühl, genau das erreicht zu haben, was ich mir vorgenommen hatte, als ich die Bühne betrat.
Die Deutschland-Termine im Überblick
11.10.2026 Stuttgart - Hanns-Martin-Schleyer-Halle
13.10.2026 Oberhausen - Rudolf Weber-Arena
Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen, auf fkpscorpio.de oder via eventim.de.
Mehr Infos und Musik unter laurapausini.com,, instagram.com/laurapausini und youtube.com/laurapausini.